Soyen und Edling: Bald kommen die Flüchtlinge

Viele Gerüchte - Wir stellen klar: Es gibt KEINEN Putz-Service, KEINE Handys als Geschenke

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soyen 1Alles ist gerichtet – die Gemeinden Soyen und Edling warten gespannt auf ihre neuen Mitbürger, die in den kommenden Tagen die fertig gestellten Container-Module beziehen werden. Wann genau und wer – alles ist noch unbekannt, heißt es aus den Rathäusern. Jeweils 48 Menschen werden sowohl in Soyen (unser Foto), als auch in Edling bei Hochhaus künftig in den Containern wohnen. An dieser Stelle wollen wir helfen, Gerüchte, die seit dem Jahreswechsel in den Gemeinden heftig kursieren, aus der Welt zu schaffen …

Das Aufstellen des Container-Moduls in Soyen im Gewerbegebiet Richtung Lengmoos hatte eine Woche vor Edling begonnen – demnach könnte es sein, dass die Belegung in Soyen vor Edling geschieht. Es sind nach Wasserburg (wir berichteten) die ersten Container-Module für Flüchtlinge im Altlandkreis, die bezogen werden. Es handelt sich um Neu-Mitbürger für die Gemeinden, weil solch ein Container als Wohnung, als neues Zuhause zu werten ist, nicht wie eine Turnhalle als Notunterkunft.

Wie Bürgermeister Matthias Schnetzer heute gegenüber der Wasserburger Stimme betonte, wisse man als Gemeinde derzeit auch nicht, ob die 48 Menschen aus Notunterkünften wie Turnhallen – womöglich aus der Region – oder ob sie direkt von Aufnahme-Einrichtungen aus München per Bus kommen werden. Fakt sei auf jeden Fall, dass alle 48 Personen die Gesundheits-Untersuchungen bereits hinter sich haben.

Zuständig ist als Mieter der Container-Module immer der Landkreis. Die Gemeinden helfen nur – dank des großartigen Engagements neu gegründeter Helferkreise vor Ort, die sich aus rein Ehrenamtlichen zusammensetzen und ohne die es defintiv nicht gehen würde. Das weiß auch das Landratsamt und Landrat Berthaler betont deshalb bei jeder Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge eigens seinen großen Dank dafür.

Sprecherin des neuen Helferkreises in Soyen ist Gemeinderätin Afra Zantner – in Edling Dr. Stefan Schweitzer, selbst Arzt.

Geradezu haarsträubend sei nach Ansicht von Edlings Bürgermeister Schnetzer, das Gerücht, jeder neu ankommende Flüchtling erhalte von der Gemeinde ein eigenes Handy. Solch Gedankengänge könne er gar nicht verstehen, denn zum einen – wie käme die Gemeinde dazu – und zum anderen haben es die Flüchtlinge nur dank ihrer ‚eigenen Handys‘ bislang überhaupt soweit bis nach Deutschland geschafft. Noch einmal: Die Gemeinden verschenken KEIN Handy an einen Flüchtling.

Der nächste Aufreger, der in der Edlinger Bevölkerung kursiert, ist, dass den 48 Flüchtlingen in dem Container-Modul ein Putz-Service zur Verfügung gestellt werde. Absolut genau das Gegenteil ist aber die Realität:

container kucheDie Asylbewerber in einem Container-Modul müssen sich voll und ganz alleine organisieren, das heißt: Wer kocht, wer putzt, wer kauft ein und so weiter – das alles passiert in Eigenregie. Es kann sein, dass die 48 Neu-Mitbürger in Edling aus vielen verschiedenen Ländern kommen, sich gegenseitig nur äußerst schwierig verständigen können, sich absolut nicht kennen – und trotzdem werden sie Wohngemeinschaften in den Zimmern bilden, mit einer Gemeinschaftsküche, Gemeinschafts-Bädern. Sie werden auf engstem Raum zusammenleben und sich arrangieren müssen.

Der Helferkreis steht beratend zur Seite, übernimmt eventuell Fahrdienste und begleitet bei Behördengängen oder Arztbesuchen.

Das Allerwichtigste von Beginn an, das ist das Erlernen der deutschen Sprache. Deshalb gibt es nun in Edling über die Wasserburger Volkshochschule ab Ende Januar einen zweiten Kurs, der dank der Gemeinde im Jugendraum stattfinden kann. Der erste Kurs läuft bereits in der Edlinger Schule.

Fotos: Renate Drax

Das Container-Modul in Edling bei Hochhaus:

edling container

 

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8 Gedanken zu „Soyen und Edling: Bald kommen die Flüchtlinge

  1. Ein toller Artikel, bitte bleibt an der Sache dran und berichtet weiterhin so ehrlich und unverfälscht und schafft Gerüchte aus der Welt. Die schaden nämlich nur allen und verbessern nichts an der Situation.

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    1. Wenn sich alle Flüchtlinge in den Containern „voll und ganz alleine organisieren“, stellt sich die Frage, mit welchem Geld sie das machen?

      Es sollten auch mal andere Fakten auf den Tisch wie z.B.: Wieviel Geld bekommt jeder Flüchting pro Monat? Welche Sachleistungen (z.B. Kleidung, Nahrungsmittel, Fahrräder etc.) werden den Flüchtlingen unentgeltlich zur Verfügung gestellt, die sich andere Bürger erwirtschaften müssen?

      Diese Fakten gehören ebenso auf den Tisch und werden uns leider immer vorenthalten, wodurch erst Gerüchte entstehen!

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      1. Renate Drax Beitragsautor

        Bei allen Info-Veranstaltungen der Gemeinden zum Thema Flüchtlings-Situation kommen diese Themen immer wieder zur Sprache und wurden auch bereits von uns mehrfach berichtet.
        Diese Info-Veranstaltungen kündigen wir stets rechtzeitig für unsere Leser an. Vertreter des Landratsamtes, der Caritas und der Helferkreise informieren sachlich über viele Dinge und beantworten stets auch Fragen der Bürger.

        Vielleicht kann ich hiermit zudem Ihnen, Herr Wasserburger, ein paar Ihrer Fragen beantworten:

        Ein/e alleinstehende/r Asylbewerber/in erhält aktuell 325,61 Euro im Monat.

        Die jeweils zustehenden Beträge für Ehegatten, Kinder sind geringer und werden individuell berechnet.

        Von diesem Geld müssen Lebensmittel, Kleidung und weitere Dinge des täglichen Lebens bezahlt werden.

        Asylbewerber erhalten Krankenhilfe gem. § 4 Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Diese umfasst nur Akutbehandlungen. Leistungen bei Schwangerschaft und Geburt sowie Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen werden übernommen. Asylbewerber sind nicht gesetzlich krankenversichert!

        Dank zahlreicher Kleiderspenden (BRK-Laden Wasserburg, Kleiderkammern in den Gemeinden) gibt es für Asylbewerber – ebenso wie genau gleich für alle Bürger – zusätzlich die Möglichkeit, günstig Kleidung zu erhalten.

        Fahrräder bekommen sie keine, sie müssen sie sich kaufen. In der Regel verschenken Nachbarn alte Fahrräder oder verkaufen sie günstig. Auch über Wertstoffhöfe ist das möglich, so wie für jeden anderen Bürger auch.

        Manchmal helfen Nachbarn, die alten Fahrräder herzurichten. Manchmal auch lernen sie den Flüchtlingen das Fahrradfahren. Verkehrsunterrichte werden und sollten – stets wenn möglich zeitnah nach der Ankunft – über die Helferkreise organisiert werden.

        Handykosten müssen die Asylbewerber selbst bezahlen. Häufig werden Prepaid-Modelle verwendet, da es ohne gültigen Pass keine Handyverträge gibt.

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  2. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir genügend Werbung gemacht haben – für unseres gelobtes, reiches Land …

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    1. Richtig, Horst Seehofer bezeichnete Bayern als Vorstufe zum Paradies. Wer wollte da nicht hin?

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  3. Vielen Dank, Frau Drax, für die Infos. Diese Fakten sind mit Sicherheit nicht jedem bekannt.

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    1. Ergänzung: Sehr viele Lebensmittel bekommen Bedürftige (und somit auch Flüchtlinge) über die Tafel.

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      1. Monika Rieger

        In Wasserburg trifft das nicht zu. Asylbewerber bekommen nichts von der Tafel. Sie können jedoch im Kleiderladen einkaufen zum halben Preis wie andere Bedürftige auch.

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