Sich die Chance geben, Fremdes kennen zu lernen

Infoabend der Gemeinde Pfaffing zu ankommenden Flüchtlingen stark besucht

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saal 2Faktisch laufe das System gerade sehr heiß! Es kommen zu viele Menschen in zu kurzer Zeit, der Landkreis fühle sich überrollt. Durch die Nähe zur Grenze. Es fehle an Zeit. Und an Betreuungskräften. Und an Wohnraum. Ein Betreuer für 150 Menschen aus allen möglichen Kulturen, die kein Wort Deutsch verstehen. Drei Monate solle ein Asylbewerber-Antrag dauern – in Wirklichkeit seien es zehn bis zwölf Monate. Da passe vieles nicht zusammen! So und ähnlich gab Dr. Manuel Diller vom Landratsamt zu bedenken, als er – wie bereits kurz berichtet – beim Infoabend zum Thema Flüchtlinge in Pfaffing am Mikro stand. Erfreut überrascht waren alle, dass der Gemeindesaal so stark besetzt war. Es gab viele Fragen der Bürger …

Fotos: Renate Drax

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… und kompetente Antworten des Podiums. Pfaffings Bürgermeister Lorenz Ostermaier (Foto stehend am Rednerpult) hatte eine Liste ausgelegt, in die man sich für den Pfaffinger Helferkreis eintragen konnte. Und froh stellte er fest, dass sich nach dem Abend wirklich einige bereit erklärt hatten, aktiv mitzuhelfen.

Zeit ist wohl das Größte und Allerbeste, was man mitbringen sollte beim Helfen. Denn das Hauptproblem der ankommenden Flüchtlinge (über die vorläufigen Zahlen für die einzelnen Gemeinden berichteten wir bereits) sei, dass sie kein Wort unserer Sprache sprechen. Und in der Regel auch kein Englisch. Manchmal sei es zwar über Englisch und Französisch möglich, aber das sei die Ausnahme. Regina Brandl vom Helferkreis Rott und der Rotter Integrationsbeauftragte Sebastian Mühlhuber erzählten sehr anschaulich vom Alltag der Flüchtlinge in ihrer Gemeinde.

saal 3Offen sein, das Fremde kennenlernen wollen – das waren immer wieder die Appelle vom Podium. Und auch von Elisabeth Gralka (links), die in Pfaffing einen Helferkreis aufbaut. Geben Sie sich selber die Chance, das Fremde kennen zu lernen – es wird Sie bereichern“, meinte sie optimistisch.

Gesucht seien in Pfaffing auf jeden Fall Fahrräder, Damen-Sommerbekleidung in Größe 48/50 und auch Kindersitze fürs Auto. Wenn Helfer die Familien herumfahren müssen für Arztbesuche, Klinikaufenthalte oder Behördengänge. Am Wertstoffhof könne man sich melden, wenn man etwas abgeben möchte, um Flüchtlingen zu helfen. Bitte nicht einfach vorbeibringen, hieß es an dem Abend.

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Regina Brandl aus Rott, selbst Mutter von vier Kindern und seit vielen Monaten schon unglaublich engagiert als Leiterin des Rotter Helferkreises für ankommende Flüchtlinge.

Im Publikum wurden auch die Ängste deutlich, die man dem Fremden gegenüber habe. Und Unverständnis herrsche vor, wenn Flüchtlinge aus den Balkanländern mit wirklich Kriegsverfolgten und Traumatisierten gleichgestellt würden. Wie erfolge die Integration in der Pfaffinger Schule zum Beispiel, wurde auch gefragt. Und ob nicht Freiwillige dort dann Deutsch unterrichten könnten. Derzeit, so Rektorin Inge Obermaier, habe man erst zwei Kinder an der Schule aufnehmen müssen, und das wiederum habe gut geklappt.

Dr. Korbinian Höchstetter forderte die Gemeinde Pfaffing und den Gemeinderat auf, aktiv zu werden und sich nicht irgendwelche Zahlen von Zuteilungen durch das Landratsamt oder die Regierung aufs Auge drücken zu lassen. Wenn Pfaffing Platz schaffe für 50 oder 60 Flüchtlinge, dann gehe es nicht an, dass es heiße, 76 Menschen kommen – basta. Den Schlusspunkt müsse immer noch die Gemeinde setzen dürfen. Zuteilung ja, aber in dem Maße, in dem es wohnraum_ und betreuungstechnisch vertretbar sei.

saal 7Dr. Manuel Diller (links) sagte, dass derzeit in der Raublinger Gymnasium-Halle 172 Männer untergebracht seien von insgesamt 190 Flüchtlingen dort in der Sporthalle. Auf engstem Raum also alle möglichen Kulturen und Religionen. Und was diese Menschen tun können, sei nur warten. Ehrenamtlich dürften sie natürlich arbeiten – was in einer kleineren Gemeinde wie Pfaffing leichter sei, zu bewerkstelligen. Nach drei Monaten dürften sie auch Ein-Euro-Jobber werden. Vorausgesetzt natürlich immer, sie verstehen unsere Sprache zumindest etwas. Soyen habe zum Beispiel einen Flüchtling nun beim Bauhof angestellt, berichtete Dr. Diller. Zum Thema minderjährige Flüchtlinge sagte Dr. Diller an diesem Abend nichts – das würde den Rahmen sprengen.

20 Prozent der Asylbewerber stammen insgesamt gesehen derzeit aus Syrien, dann aus dem Irak, Somalia, Eritrea und Afghanistan. Die Menschen seien oft schon jahrelang unterwegs. Man suche Unterkünfte in der Reihenfolge: Wohnungen, Häuser und dann erst Plätze für Container – eventuell nach Region in größeren Gebietn sei auch an Container-Dörfer gedacht.

saal 8Roland Legat vom Caritas-Zentrum Rosenheim (links im Bild) informierte darüber, dass es jetzt bei ihnen eigens eine Stelle gebe, bei der die Ehrenamts-Koordination der Helferkreise Unterstützung finden können. Ansprechpartner hier sei Herr Thaler. Wichtig sei in seinen Augen, die ankommenden Menschen als erwachsene Partner zu sehen. Auch sein Kollege, Sozialarbeiter Roman Lebedev (Foto ganz oben des Artikels) betonte, man tue, was man tun könne.

Von einer etwas anderen Seite versuchte Sebastian Mühlhuber, Integrationsbeauftragter der Gemeinde Rott (Foto unten), das Thema zu beleuchten. Weil er wisse, dass es in einer Bevölkerung auch so manch ablehnende Stimme gegenüber den Fremden gebe.

saal9„Vergessen Sie nie, dass diese Menschen unglaublich froh sind, irgendwo hier einen Fleck gefunden zu haben, wo sie einfach nur in Frieden leben dürfen.“

rd

 

 

 

Siehe auch – Überschriften einfach anklicken:

Radlfahren – ein Stück Freiheit!

 

Pfaffing: „Was kommt auf uns zu?”


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