Seit 35 Jahren Abenteuer im Kajak

EKC Eiselfing feierte - Von Träumen, Dialogen und Romantik

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EKC Eiselfing 1 Pinegger Fall Brandenberger AcheEiselfing – Es gibt nicht viele Sportarten, die Gegensätze so sehr verbinden: Stille und Romantik mit Abenteuerlust, Wagnis und Risikobereitschaft und dem Streben nach Freiheit. Vor 35 Jahren entdeckten neun junge Männer in Eiselfing ihre Leidenschaft für genau diese Besonderheiten in einem Leben: Sie entschieden sich fürs Kajakfahren als ihr Hobby.1978 gründeten sie im ortsansässigen TSV eine eigene Abteilung. Den EKC, die Abkürzung für Eiselfinger Kajak-Club, dem heute etwa 100 Mitglieder im Alter zwischen acht und 80 Jahren angehören. Angela Ellmer leitet die Abteilung seit einigen Jahren.

Engagierte EKCler: von links Susanne Mayer (Kassier), Angela Ellmer (1. Vorsitzende), Johannes Ellmer (Jugendwart) und Monika Lechner (Schriftführerin).

Engagierte EKCler: von links Susanne Mayer, Angela Ellmer (1. Vorsitzende), Johannes Ellmer  und Monika Lechner.   Foto: Renate Drax

Werner Müller hatte vor dreieinhalb Jahrzehnten den Anfang als Vorstand gemacht. Ihm folgte viele Jahre lang Viktor Stangassinger, von dem Michi Mühlratzer die Abteilungsleitung im Jahr 2000 übernahm. Im Rahmen einer schönen Familienfahrt auf dem Inn wurde jetzt das runde Jubiläum gebührend gefeiert.

Der Traum vom Wildwasser-Fahren

EKC Eiselfing 2 Pinegger Fall Brandenberger AcheDer Reiz der persönlichen Entdeckungsreisen in einem relativ kleinen Kreis von begeisterten Sportlern – das zog mehr und mehr besonders aktive Menschen in seinen Bann. Werner Müller, Stefan Larasser, Fred Kogler, Karl Müller, Sepp Bichlmaier, Alois Gillhuber, Hans Ellmer, Josef Lax und Hans Bösch waren die Wagemutigen, die vor allem eines vor Augen hatten: den Traum vom Wildwasser-Fahren. Während heute in der Abteilung ganz besonders die Arbeit für Anfänger der Sportart gefördert wird, die Technik, die Geschicklichkeit und nötige Koordination eifrig trainiert wird – so war es vor 35 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes der „Sprung ins kalte Wasser“.

Schritt für Schritt eigneten sich die Kajaker alle Fertigkeiten an – vom Dialog zwischen Körper und Boot bis hin zum Dialog in Extremsituationen von Paddler zu Paddler. Das Wildwasser verlangt gegenseitiges blindes Vertrauen. „Wir sind zusammengewachsen, haben gelernt, einander zu verstehen. Und haben auch erfahren, gegenseitig Verantwortung zu übernehmen“, beschreibt Werner Müller die grosse Teamfähigkeit, die für den Kajaksport Bedingung ist. Man achtet aufeinander – immer. So werden zum Beispiel die gefährlichsten Stellen stets vorab mit einem Seil gesichert. Abenteuer pur sei das stückweise Erlernen. Und immer eine besondere Herausforderung.

Sepp Bichlmaier erzählt: „Die Lofer Schlucht zum Beispiel: da ham ma nunter gschaut und da hat der Werner damals zu mir gsagt, de möcht i gar ned fahrn. Und drei Monat später samas dann gfahrn.“ Aber obwohl unter den Eiselfingern alle Wildwasser-Stufen – von der leichtesten I bis hin zur absolut schwierigsten VI – gefahren werden, zu leichtsinnig sind sie bisher zum Glück noch nie geworden. „Unsere Abteilung setzt auf die erfahrenen Leute. Gott sei Dank hat es noch nie einen schweren Unfall gegeben bei unseren Fahrten im Wildwasser seit Bestehen der Abteilung“, ziehen die beiden derzeitigen Vorstände Angela Ellmer und Karsten Schwuchow eine erfreuliche Bilanz des EKC.

Rund um den Globus

Rund um den Globus war man schon auf den schönsten, aber auch gefährlichsten Flüssen der Welt unterwegs – Costa Rica, Chile, Kanada, Griechenland oder Norwegen. Stets ging und geht es um die Freude, die Leidenschaft an diesem besonderen Sport – nicht um Leistung oder Wettkampf. Gedanken eben, wie oftmals in anderen Vereinen. Die Verbindung des rein persönlichen sportlichen Ehrgeizes mit der Möglichkeit des stillen bewussten Naturerlebnisses auf Bächen und Flüssen oder Seen – egal ob in der Ferne oder hier in der Heimat, im nahen Alpenraum – machen die Akzeptanz von Jung und Alt, von erfahrenen Fahrern und Anfängern unter den Paddlern so faszinierend.

A bissal ruhiger geht's auch: Anpaddeln auf der Attel - jedes Frühjahr ab Pfaffing.

A bissal ruhiger geht’s auch: Anpaddeln auf der Attel – jedes Frühjahr ab Pfaffing.

Ein Kajak ist heute ein eher kurzes, sehr wendiges, geschlossenes Boot, das früher vier bis fünf Meter lang war und den Eskimos als Jagdboot diente. Der Kanadier ist ein offenes Boot, das die Indianer zum Transport nutzten – kniend mit einem Stechpaddel angetrieben. Laien ist meist das Wort „Eskimorolle“ ein Begriff. Weil auch das Kentern im Kajaksport gelernt sein will, trainiert der EKC diese Eskimorolle eigens im Winter. In einem Hallenbad. Früher waren sie dafür immer im Hallenbad von Reitmehring. Das war die beste Lösung für die EKCler. Doch leider wurde ihnen die Nutzung vor einiger Zeit nicht mehr erlaubt.

Bei der Eskimorolle handelt es sich um ein Rettungsmanöver, mit dem man den Körper im Falle des Kenterns durch grossen Schwung aus den Hüften wieder aus dem Wasser befreit. Nur möglich ist das, da ein Kajak völlig geschlossen ist – bis auf die Sitzluke, die meist noch mit einer Spritzdecke bedeckt ist. Die Fortbewegung erfolgt mit Hilfe eines Doppelpaddels.

Besondere Jugendförderung

Der besonderen Jugendförderung hat sich in Eiselfing stets Resi Müller angenommen, die im Sommer einmal wöchentlich Jahr für Jahr die Kinder mit grossem Engagement trainiert hat. Dass das Gesellige beim EKC nicht zu kurz kommt, davon konnten sich alle überzeugen, die bei der Jubiläumsfeier am Wochenende dabei waren. Lagerfeuer, Gitarrenmusik – gemeinsam singen und feiern am besten am Fluss. Die EKCler verstehen sich auf Romantik. Wer Interesse am Kajaksport, kann sich melden bei der Abteilungsleiterin Angela Ellmer, Telefon 0-80-71/4-04-12. Egal, ob man in aller Stille einen Fluss oder See mit dem Kajak erwandern möchte oder ob man sich den Traum vom Wildwasser-Fahren erfüllen will: Ein Natursport der besonderen Art wartet !

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