Rott mit meisten Leihgaben für Rokoko-Schau

Kirchenkunst in Münchner Ausstellung stark vertreten - Auch Eiselfing

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Rott 1Rott/Eiselfing – Die Pfarrkirche St. Peter und Paul von Rott ist als Kirche mit den meisten Leihgaben bei der großen Münchner Rokoko-Ausstellung vertreten. Die Heiligen Notburga und Isidor, der Heilige Petrus Damianus mit Putto und die Büste des Heiligen Anianus von Ignaz Günther (1725-1775) sowie die Schutzengelgruppe (unser Foto) und die Büsten „Die vier letzten Dinge“ von Joseph Götsch (1728-1793) sind bei der Schau zu sehen, zu der das Diözesanmuseum Freising und die Münchner Kunsthalle vom Freitag, 12. Dezember, bis zum 12. April 2015 in München einladen. Die Kunstwerke zeigen die hohe kunsthistorische Bedeutung der Rotter Kirche …

die zwischen 1759 und 1763 als ehemalige Kloster- und heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul, Marinus und Anianus gebaut wurde. Des Weiteren ist die Region durch die Pietà von Ignaz Günther aus der Pfarrkirche St. Rupertus in Eiselfing in der Ausstellung vertreten.

media29663201Die Darstellung der beiden ländlichen Patrone Notburga und Isidor (unser Bild links) von Günther kombiniert prächtige, farbenreiche, historisierende Kostüme mit echten bäuerlichen Arbeitsgeräten und rückt die Heiligen trotz ihrer eleganten und vergeistigten Ausstrahlung so in unmittelbare Nähe der ländlichen Bevölkerung.

Die Figur der Heiligen Notburga, Magd aus Tirol, trägt in ihrer Schürze mehrere Brote, die auf ihre Mildtätigkeit verweisen. In der Hand hält sie eine echte Sichel, die an eine bekannte Legende erinnert: Als Notburga einmal ihr Abendgebet verrichten wollte, aber vom Bauern zum Weiterarbeiten aufgefordert wurde, warf sie ihre Sichel in die Luft, wo sie an einem Sonnenstrahl hängenblieb. Der Heilige Isidor, Knecht aus Madrid, ist als älterer Mann mit zum Gebet gefalteten Händen dargestellt. An seiner Schulter lehnt ein echter Dreschflegel.

media29662601Ebenfalls von Günther stammt die Figur des Heiligen Petrus Damianus mit Putto. Die Kleidung des Heiligen, der als einer der einflussreichsten Geistlichen des elften Jahrhunderts gilt, verweist auf gegensätzliche Stationen seines Lebens: Der purpurrote Talar, das weiße Rochett und die rote Mozzetta zeigen ihn als einflussreichen Kardinal und päpstlichen Legaten mit bedeutenden diplomatischen Aufträgen. Das schwarze Skapulier weist darauf hin, dass er als Benediktinermönch in der Abgeschiedenheit des Klosters Fonte Avellana in der Nähe des italienischen Gubbio lebte. Besonders reizvoll ist der Putto, der kleine Engel, der hoch über der Figur des Heiligen an der Rahmenecke des Altarbildes angebracht ist und seinen Kardinalshut zu tragen oder vielmehr mit ihm zu spielen scheint.

 

Götsch schuf die Schutzengelgruppe aus einem fast lebensgroßen Engel und einem etwa zweijährigen Kind. Der Engel hält das Kind an der rechten Hand, während er mit der linken zum Himmel, zu Gott weist. Die Augen des Kindes folgen konzentriert dem Fingerzeig des Engels. Seine aufs Herz gelegte Hand, das weiße Kleid sowie die Blume im Haar symbolisieren seine Unschuld. Insgesamt strahlt die Schutzengelgruppe eine große Ruhe und Innerlichkeit aus. Götsch orientierte sich bei der Schaffung seiner Skulptur stark am Vorbild der Schutzengelgruppe von Günther, die sich heute im Museum der Marianischen Männerkongregation in der Münchner Bürgersaalkirche befindet.

Die Pietà von Günther aus dem Jahr 1758

media29657801Aus der Pfarrkirche St. Rupertus in Eiselfing zeigt die Rokoko-Ausstellung die Pietà von Günther aus dem Jahr 1758. Die Darstellung der Gottesmutter Maria, die ihren toten Sohn Jesus auf dem Schoß hält, ist als Hochrelief ausgeführt. Ungewöhnlich an ihr ist die Doppelsignatur auf ihrer Rückseite, die neben Bildschnitzer Günther gleichberechtigt auch Fassmaler Augustin Demmel (1734-1789) nennt und so deutlich macht, dass das Kunstwerk erst durch die Verbindung von geschnitztem Relief und farbiger Fassung entsteht.

Die Pietà aus Eiselfing ist die erste von dreien, die Günther ausführte, und lehnt sich an ein im 18. Jahrhundert weit bekanntes Vorbild an, ein mittlerweile verschollenes Wachsrelief von Allessandro Abondio (um 1570-1648), das damals im Münchner Jesuitenkolleg verehrt wurde. Maria stützt Jesu Kopf mit den Händen und lehnt ihren Oberkörper eng an den ihres Sohnes, während die Unterkörper in verschiedene Richtungen weisen.

Die Glasaugen Mariens sind für den Betrachter erst sichtbar, wenn er unmittelbar vor der Pietà kniet. Ursprünglich stammt das Hochrelief aus dem Kloster Attel am Inn, nach Eiselfing gelangte es nach der Auflösung des Klosters Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Originalfassung der Pietà aus dem 18. Jahrhundert ist weitgehend erhalten, wurde jedoch an einigen Stellen verändert. In der Vorbereitung auf die Rokoko-Ausstellung wurde sie nun durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege erneut untersucht, gefestigt und gereinigt.

 

Die Kunstwerke sind zusammen mit Dutzenden anderen in der von der Kunsthalle München und dem Diözesanmuseum Freising gemeinsam gestalteten Ausstellung „Mit Leib und Seele“ zu sehen. Viele der Objekte aus Kirchen und Klöstern können durch die Kooperation mit der Erzdiözese erstmals und einmalig aus ihrem angestammten Kontext entnommen und präsentiert werden. Die oft nur schwer zugänglichen Werke werden dem Betrachter so nahegebracht wie selten zuvor. Auf diese Weise kann ihre künstlerische und technische Qualität deutlich hervortreten.

 

Gezeigt werden rund 160 Meisterwerke des Rokoko, vor allem Holzskulpturen und andere plastische Bildwerke aus Stuck, Ton, Porzellan und Silber sowie Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken. Ziel der Ausstellung ist es, einen unverstellten, frischen Blick auf die Epoche – eine einmalige Blütezeit bayerischer Kunst, die auch aus internationaler Perspektive beispiellos ist – zu zeigen und diese auch in Zeitgeist und Glaubenswelt einzubinden.

 

Behandelt werden auch übergreifende Fragen, etwa zur Bemalung und Vergoldung der Skulpturen, zu ihrer Integration in der Architektur oder zur Werkstattpraxis. Zur Ausstellung, die bis 12. April 2015 zu sehen ist, erscheint ein reich bebilderter Katalog im Sieveking Verlag mit weiterführenden Essays und Texten zu allen Exponaten, der den aktuellen Stand der Forschung repräsentiert. Zudem gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Die Schau ist täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.

Fotos: Diözesanmuseum Freising / Thomas Dashuber)

 

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Ein Gedanke zu „Rott mit meisten Leihgaben für Rokoko-Schau

  1. Wir waren am Mittwoch mit der evangelischen Kirche aus Feldkirchen bei München, die einmal im Monat einen Ausflug macht,
    in der schönen Kirche in Rott am Inn. Alle waren sehr begeistert, wir hatten auch eine Super-Kirchenführerin.

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