O’zapft is – amoi ganz anders …

Die Wellbappn samt ihrem Wellpapa Hans zu Gast in Pfaffing - Tosender Beifall

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1Pfaffing – Er habe so viel in den Musikunterricht seiner Kinder investiert, erklärte Hans Well – nun sei es an der Zeit, mal etwas davon zurück zu bekommen. Ein volles Haus gab’s auf jeden Fall dafür bei der Kunst in der Filzen im Pfaffinger Gemeindesaal. Die Wellbappn samt ihrem Wellpapa Hans waren zu Gast. Viel Applaus für eine sehr sympathische Mischung aus Jamsession, Hausmusik und Familienfrotzeleien. Keine Skrupel hatte der Nachwuchs vor der Kommunalpolitik – die Altstadtbahn, die Asbestdeponie, die B15 neu – und vor der großen Politik machte das Quartett in bester Well-Manier erst recht nicht halt. Stellvertretend mussten sie alle herhalten – Merkel, Obama, Seehofer, Schröder oder Dobrindt. Was überraschte …

Fotos: Renate Drax

Unglaublich gut aufspielen können sie – die jungen Leute …

2Zahlreiche Musikinstrumente kamen zum Einsatz. Besonders Tabea (21) zeigte sich als wahre Virtuosin. Was ihr gerade in die Finger kam – Geige, Posaune, Tuba – sie beherrschte sie alle. Jonas (18) spielte Trompete, Tuba, Kontrabass – Sarah (22) Bratsche, Akkordeon. Vater Hans Well – der Ex-Biermösler – war der Akteur mit der sanften Stimme. Neben seinen Fertigkeiten an der Diatonischen war er für die erfahrene Beleuchtung der politischen Machenschaften verantwortlich. Der Papa hält die Texte, wie man es von ihm gewohnt ist, immer auf dem aktuellen Stand.

In der Wellbappn-Besetzung, die zwischen Saitensound und Blechkraft wechselt, bekamen die bekannten Spottlieder, Gstanzln und traditionell inspirierten Stücke aber – für alle deutlich spürbar im Saal – eine ganz eigene Frische.

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Die Wellbappn in Pfaffing – das wollte sich dieses kloane Katzerl (rechts am Bildrand) nicht entgehen lassen … heimlich …

Beim Lied „Da ist der Wurm drin“ gab’s am Ende den Schlenker zum Lebensmittelskandal ums Pferdefleisch in Fertiglasagne. Das Uli Hoeneß-Klagelied wurde angestimmt und vom ach so coolen Skifahren im Sudelfeld philosophiert, an ‚Pfingsten 2013 dahoam im Hochwasser‘ erinnert und die Feuerwehr einschließlich Gartenbauverein besungen. Rund um den Kreisverkehr, nicht zu vergessen.

Reine Instrumentaltitel, A-cappella-Auftritte, viele Soli und – wie könnte es beim Kabarett auch anders sein – natürlich sehr viel Ironie wechselten am laufenden Band. Ein hohes Bühnen-Tempo über zwei Stunden lang. Aber auch feine Töne stimmt das Trio samt Papa an – mit dem Susei-Jodler zum Beispiel.

4Themen wie natürlich die Schule (G 8 oder G 9), Kindergarten oder des Deutschen liebstes Kind, das Auto, wurden beleuchtet: Zum Beispiel der Vater, der mit rasantem Tempo den Junior in den Kindergarten bringt, geblitzt wird und dann dreimal zum „Depperltest“ muss. Und Jonas legte auch noch einen Schuhplattler aufs Bühnenparkett und zeigte: Hier wird eine Linie fortgesetzt, die ihren ganz eigenen Umgang mit Traditionen pflegt. Und dazu gehört auch, dass man weitermacht – ob als Brüder oder als Vater und Kinder. Es bleibt in der Familie!

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Der Jüngste – Jonas ist 18 Jahre alt und macht bald sein G 8-Abitur …

Glorreicher Abschluss der Veranstaltung: Eine Lesung von Hans Well aus dem Buch der Bayern: „Historia bavariae“. Tosender Applaus in Pfaffing! Zugaben mussten her. Und so gab es ein Schlaflied zum Abschied – ebenfalls nicht frei von Tiefsinnigkeit: „De Engerl kennen alle Gedanken“ – eine Anspielung auf die Spionageaffären der vergangenen Monate und Big Brother im Internet. Ganz nach dem mehrdeutigen Wellschen Motto: O’zapft is …

 

 

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