Nia gschert, aber immer lustig

Im Bauernhausmuseum: Ein Blick auf die Zunft des Hochzeitsladers

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Hochzeit 5Amerang – Er gehört noch heute zu einer richtigen Hochzeit im ländlichen Oberbayern, braucht eine ‚g’sunde Lustbarkeit‘, darf nicht gschert sein, muss lustige Gstanzl singen. Was er ist, kann man nicht lernen – diese Gabe muss einem gegeben sein! Die Rede ist vom Hochzeitslader, der Paare bei ihrem wichtigen Tag im Leben begleitet. Irmgard Mayerhofer (unser Foto), ist als eine der wenigen weiblichen Hochzeitslader tätig. Das Bauernhausmuseum Amerang blickt in einer Sonderausstellung „Einen schönen Gruß vom Hochzeiter“ hinter die Kulissen einer großen Zunft …

… die es seit dem 17. Jahrhundert gibt. Mit einzigartigen Bildern, vielen Dokumenten, gesammelten Biographien und Gstanzln.

Die Ausstellung läuft bis zum 2. November 2014. Ein Rahmenprogramm mit einer Lesung, einer Gesprächsrunde mit Musikbeispielen und einem Vortrag gibt vertiefende Einblicke in das Thema. Die örtliche Leiterin des Bauernhausmuseums Claudia Richartz hat für die Ausstellung Interviews mit Hochzeitsladern der Region geführt. Sie bekam nicht nur interessante Biographien und Einblicke in außergewöhnliche Lebensläufe, sondern auch viele schriftliche Notizen, Gedichte, Urkunden, alte Fotos und Zeitungsartikel.

„Der Hochzeitslader mit Bandl geziert, früher mit’m Radl, heut motorisiert, fährt wieder, wie in alter Zeit, mit seiner Botschaft zu de Leit. A pfundigs Gschäftl, gwiß is wahr, und mancher is eam neidig gar.“ Das meinte etwa Hochzeitslader Hans Fenzl 1957 in seinem Gedicht. Ein Hochzeitslader ist ein Tausendsassa an einem Tag der Freude. Er ist Berater des Brautpaares, organisiert und begleitet die Hochzeit mit Schlagfertigkeit, Witz, als Moderator und Zeremonienmeister. Er beherrscht die Bräuche wie den Hennertanz, das Brautstehlen und den Dank.

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung vom „Prokurator“ zum „Progoder“ und porträtiert auch eine Hochzeitsladerin. Die wichtigsten Elemente vom Einladen bis zu den Ehrentänzen sind ebenso Teil der Ausstellung wie die Materialsammlung für diese Identifikationsfigur eines Brauchs. „Unsere Besucher dürfen sich auf einen außergewöhnlichen Einblick in eine Tradition freuen, die viel zu tun hat mit der barocken Lebensfreude in Oberbayern“, sagt Claudia Richartz.

„Die großen geladenen Hochzeiten waren eines der wichtigsten Feste im bäuerlichen Jahresablauf. Kaum ein Ereignis hat in Altbayern mehr Bräuche hervorgebracht als die Hochzeit.“ „A‘ schöns Grüß Gott ös lieben Leut, ein Auftrag führt mi zuaba heut!“ So fängt die Arbeit des Hochzeitsladers an. Er sucht mit dem Bräutigam die Braut auf, die sich im Haus versteckt hält. Hat er sie gefunden, spricht er seinen Ladespruch an die schätzbare Braut, und fragt abschließend. „Gell Braut, sei so gut und komm.“ Nach dem Ja der Braut ging der Hochzeitslader früher von Haus zu Haus, um die Gäste einzuladen.

Heute ist es nur noch selten, früher war es immer so: A richtige Hochzeit geht in da Früh o und is spätestens Mitternacht aus! „Die Hochzeit wird anders, weil die Trauung um 10 Uhr, das machen die wenigsten mehr“, sagt Hochzeitslader Jakob Steiner aus Prien. Vieles hat sich gewandelt bei den Hochzeiten, wie etwa die Spiele. „Meistens haben wir irgendeinen Schmarrn gemacht. Alte Spiele, die wir im Trachtenverein gelernt haben, Löffel schlagen“, erzählt Hochzeitslader Christian Glas aus Eggstätt. „Lauter so Sachen, die sie heut als blöd empfinden. Das war früher halt die Gaudi.“

Aus den Interviews mit den Hochzeitsladern ist eine Dokumentation über Hochzeiten im ländlichen Oberbayern entstanden – vom Laden der Brautleute und der Gäste über das Fest und das Gwand bis hin zur Zunft der Hochzeitslader selbst. Eine Zunft, die sich unter dem Motto „Wir ham koan Vorstand und koan Kaiser, trotzdem könn ma sogn, wir san wir“ regelmäßig trifft und eine der lebhaftesten Traditionen aufrechterhält. Und die von Persönlichkeiten lebt, wie man sie nicht alle Tage trifft.

Wer Lust auf noch mehr Interessantes zum Thema Hochzeiten bekommt, sollte das Gegenstück nicht verpassen: “Vom Anbandeln und Abdanken“ im Freilichtmuseum Glentleiten. Die Sonderausstellung dort widmet sich umfassend dem Thema Heirat. Das Fest war lange Zeit eine öffentliche Angelegenheit. Dies dokumentieren in dem Überblick ein voll beladener Kammerwagen, eine prunkvolle Dachauer Tracht oder filigrane Brautgürtel Außerdem erfahren die Besucher, wer überhaupt heiraten durfte, und wie sich die Hochzeitskleidung im Lauf der Zeit gewandelt hat. Auch im Freilichtmuseum Glentleiten gibt es ein interessantes Rahmenprogramm, zum Beispiel mit der Komödie „Da Heiratsantrag“ von Gerhard Loew nach Anton Tschechow und mit Sonderführungen der Kuratoren.

Ein umfassendes „Hochzeitsprojekt“ also des Freilichtmuseums Glentleiten mit seinem Zweigmuseum, dem Bauernhausmuseum Amerang. „Die beiden Häuser präsentieren sich wie auch schon in der Vergangenheit als ein Museum an zwei Standorten“, so Museumsdirektorin Dr. Monika Kania-Schütz. „Die beiden Sonderschauen zum gleichen Thema haben wir gemeinsam erarbeitet. Herausgekommen sind zwei Ausstellungen, die sich hervorragend ergänzen und einen wissenschaftlich fundierten, unterhaltsamen und interessanten Einblick in das Thema Heiraten geben.“

Hochzeit 6

Fotoalben laden zum Blättern ein und verraten viel Interessantes über die Geschichte der Hochzeitslader und deren Aufgaben.

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