Neue Karte: Gefahrengebiet bei Rieden dabei

Landratsamt veröffentlicht Karten zu geologischen Risiken

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Soyen_kSoyen/Landkreis – Einen Tag nach unserem Bericht über den gesperrten Radlweg zum beliebten Biergarten in Rieden bei Soyen, ist es amtlich: Die Innleiten ist an der angegebenen Stelle Gefahrengebiet. Das zeigt eine heute veröffentlichte Gefahrenkarte des Rosenheimer Landratsamtes. Das Amt weist auf die Untersuchung zu geologischen Risiken des Bayerischen Landesamtes für Umwelt hin. Dabei wird nicht – wie sonst üblich – nur der unmittelbare Alpenraum gezeigt, sondern seit diesem Jahr auch die Landkreisgemeinden im Alpenvorland. Darunter auch Soyen …

Gefährdetes Gelände rund um Wasserburg sind vor allem der nordöstliche Teil der Innleiten und die Hänge am westlichen Innufer von der Höhe Gabersee bis zum Heberthal (das liegt am Fußweg zwischen Attel und Wasserburg). Auch der Bereich am „Biergarten“-Weg nach Rieden ist rot markiert und damit stark Steinschlag gefährdet. Weitere Details, auch für weitere Gemeinden, gibt’s unter: www.landkreis-rosenheim.de.

Das Landratsamt zur Erstellung der Gefahrenkarte:

Die Gefahrenhinweiskarten für den Landkreis Rosenheim sind erheblich erweitert worden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt untersuchte inzwischen 1.135 Quadratkilometer. Zum Vergleich, 2010 umfasste das Untersuchungsgebiet 341 Quadratkilometer. Die Gefahrenhinweiskarten beschränkten sich damals auf den Alpenanteil im Landkreis. In den neuen Karten ist auch das Alpenvorland miteinbezogen.

 

Das Kartenmaterial im Maßstab 1 : 25.000 soll als Grundlage für die Bauleitplanung dienen, um erste Interessenskonflikte bzw. Gefahrenverdachtsflächen zu erkennen. Sie sollen nicht als Bauverbotskarten dienen, sondern in kritischen Fällen den Bedarf nach weitergehenden Untersuchungen offen legen. Die Kartenwerke sind also eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass von Hangbewegungen bedrohte Gebiete unbedacht bebaut oder besiedelt werden.

 

Die Geologen des Landesamtes für Umwelt erfassten im Landkreis Rosenheim unter anderem knapp 1.000 so genannte Subrosions-Objekte, also Geländeteile, die sich in der Vergangenheit absenkten. Rund 1,4 Prozent der Landkreisfläche, rund 20 Quadratkilometer, sind von tiefreichenden Rutschungen betroffen. Auf weiteren etwa 1,5 Prozent könnten sich weitere Rutschungen entwickeln. Ausgelöst werden sie in vielen Fällen durch eine starke Durchnässung des Bodens. Zudem gibt es Felssturz- und Steinschlagablagerungen.

 

Solche gelegentlichen Naturgefahrenereignisse sind ein normales Phänomen. Im Zuge des natürlichen Gebirgsabtrages entstehen Rutschungen, Felsstürze und Muren. Sie spiegeln das grundsätzlich sehr labile Gleichgewicht wider, in dem sich die Hänge befinden. Dieses Gleichgewicht ist durch die über Jahrhunderte bzw. Jahrtausende einwirkenden Kräfte bestimmt worden. Während einige Faktoren wie die Erdanziehung oder die Aktivität von Erdbeben langfristig nahezu gleich bleiben, sind die Folgen unterschiedlicher Witterungseinflüsse sehr wohl zu erkennen. Nach den Prognosen der Klimaforscher ist es möglich, dass sich aufgrund einer Klimaänderung die bisherigen Schwankungsbereiche relativ kurzfristig verändern. Bis sich das Gleichgewicht an den Hängen wieder neu entwickelt hat, muss verstärkt mit Hangbewegungen gerechnet werden.

 

Präventive Maßnahmen für einen Klimawandel und seine Folgen sind auf jeden Fall angebracht und sinnvoll. Der Geologische Dienst am Bayerischen Landesamt für Umwelt verfolgt diese Strategie schon seit langem. Allerdings kann der Schutz gegen Naturgefahren, auch aus Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen, immer weniger durch bauliche Maßnahmen gewährleistet werden. Er muss stattdessen auch durch eine vorbeugende Planung herbeigeführt werden. Die erweiterten Gefahrenhinweiskarten für den Landkreis Rosenheim sollen dabei helfen. David P. Hain

Soyen_kk

 

 

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