Nachwuchs bei den Bachmuscheln

Ein „BayernNetzNatur"-Projekt gibt dem selten gewordenen Tier in der Murn eine Chance

In einer kleinen verstreuten Population der  bayernweit vom Aussterben bedrohten Bachmuschel in der Murn gibt es Nachwuchs. Dr. Katharina Stöckl von der Muschelkoordinationsstelle Bayern spricht von einer großartigen Nachricht. Damit die Zahl der Jungmuscheln weiter steigt wurden die Weichtiere in den vergangenen Tagen erneut bei der Fortpflanzung unterstützt.  Auch Marina Faltlhauser vom Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner in Wasserburg, die das BayernNetzNatur-Projekt „Bachmuschel in der Murn“ seit 2016 im Auftrag der Regierung von Oberbayern betreut ist voll des Lobes:

„Dass die vergangenen Maßnahmen zur Unterstützung der Muschelfortpflanzung erfolgreich waren und alle so gut zusammenhelfen, ist erstklassig. Die groß angelegte Maßnahme gelang auch nur dank dem idealen Zusammenspiel von Regierung von Oberbayern, Landratsamt Rosenheim, Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, Fischereifachberatung Oberbayern, Kreisfischereivereine Rosenheim und Wasserburg sowie den Anliegern und vielen weiteren lokalen Mitstreitern. Faltlhauser erwähnt besonders das enorme Engagement und die Hilfsbereitschaft der Fischer.

Die Bachmuschel bei der Fortpflanzung zu unterstützen ist kompliziert, denn sie durchläuft in ihrem ungewöhnlichen Lebenszyklus auch eine parasitäre Phase. Das heißt: Zu Beginn ihres Lebens setzen sich die Laven an bestimmten Fischarten in den Kiemen fest. Deshalb konnte das ganze Projekt nur mit Hilfe der örtlichen Fischer umgesetzt werden. Die Resonanz war aber so groß, dass innerhalb weniger Wochen eine umfassende Maßnahme geplant werden konnte.

Zunächst sammelte der Biologe Benedikt Beck die schwer zu findenden trächtigen Bachmuscheln ab und setzte sie bis zur Abgabe der Bachmuschellarven in separate Behältnisse. Die Larven wurden für drei verschiedene „Impf-Aktionen“ verwendet. Wobei ein gewisser Zeitdruck herrschte, denn die Larven sind nur wenige Tage haltbar.

Anton Huber vom Fischereiverein Rosenheim vermittelte Kontakte zu Fischwirten aus der Region, die Nasen züchten. Die Nase ist eine heimische Fischart, die früher reichlich in den Gewässern der Region vorkam und deren Züchtung durchaus knifflig ist. Da sie sich gut als Wirtsfische eignen wurden sie mit Muschellarven infiziert und in die Murn gesetzt.

Gemeinsam mit dem Fischereiverein Wasserburg wurde eine weitere heimische Fischart, die nicht leicht zu bekommende Elritze zugekauft, infiziert und in Nebenbäche der Murn gesetzt.

In einem dritten Schritt führten örtliche Fischer unter Federführung des Kreisfischereivereins eine Elektro-Befischung durch. So gelang es, auch den lokalen Wirtsfischbestand mit Bachmuschellarven zu infizieren.

„Sobald sich die Muscheln vermehren, gibt es Hoffnung, die Population dauerhaft zu halten und vielleicht sogar wieder zu vergrößern“, freut sich Dr. Katharina Stöckl von der Muschelkoordinationsstelle Bayern, die im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt tätig ist.

Projektbetreuerin Marina Faltlhauser ist hier durchaus optimistisch, denn auch in die Verbesserung der Lebensräume kommt Bewegung. „Immer mehr Bach-Anlieger erklären sich bereit die Muscheln zu unterstützen, sagt sie. Hier sind aber noch einige Schritte zu gehen bis die Murn wieder überall beispielsweise durch Ufer- und Gehölzstreifen in den Zustand gebracht ist, in dem sich die Muscheln wohlfühlen“, so Faltlhauser. MF

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