Lebendig, liebevoll und sehr informativ

Ausstellung im Bauernhausmuseum Amerang beginnt morgen

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Foto 5Amerang – Eine äußerst lebendig und liebevoll gestaltete Ausstellung, bei der es um die Traditionen und das Selbstverständnis in der Heimat geht, wird in den nächsten Wochen zahlreiche Besucher nach Amerang locken. Die ganze Familie ist willkommen, um sich diese besonderen Bilder unseres Bayernlandes und vor allem Bilder seiner Menschen im geschichtlichen Rahmen anzuschauen. Unter dem Titel „Strizzis, Lackl’n, Goaßlschnalzer“ präsentiert das Bauernhausmuseum Amerang vom morgigen Freitag, 21. Juni bis zum 3. November eine sehenswerte Sonderausstellung. Gerade auch für Kinder und Jugendliche ist sie sehr interessant präsentiert.

Pressekonferenz von links: die Direktorin vom Freilichtmuseum Glentleiten, Dr. Monika Kania-Schütz, Kurator Andreas Koll und Amerangs Museumsleiterin, Dr. Claudia Richartz.

Pressekonferenz heute in Amerang mit (von links) der Direktorin vom Freilichtmuseum Glentleiten, Dr. Monika Kania-Schütz, Kurator Andreas Koll und Amerangs Museumsleiterin, Dr. Claudia Richartz. Fotos: Renate Drax

Einfältig, trunksüchtig und rauflustig. So müssen die Dorfbewohner auf dem Land sein! Das zumindest dachte sich die städtische Bevölkerung, die es im ausgehenden 19. Jahrhundert in Oberbayern aufs Land zog. Schnell war die Rede von den „g’scheerten Lackl’n“ und von den „Strizzis“. Auf Karikaturen zogen sie unter dem Motto „Schön san mer net, aber gesund“ durchs Dorf. Das Bild der Bayern – in kaum einer anderen Region ist es so typisiert wie in Oberbayern. Erstmals ist eine Sonder-Ausstellung nicht nur im Stadel zu sehen. Mit Hörstationen und Filmen in mehreren historischen Bauernhöfen des Ameranger Museums und Zitaten auf gespannten Geschirrtüchern zwischen den Bäumen im Freien, vermittelt sie einen eindrucksvollen Ausschnitt der bayerischen Heimatgeschichte.

Foto 4„Dem Bezirk Oberbayern als Träger des Freilichtmuseums an der Glentleiten und seines Schwestermuseums in Amerang ist die Vermittlung bayerischer Geschichte ein großes Anliegen“, sagte die Direktorin des Freilichtmuseums an der Glentleiten, Dr. Monika Kania-Schütz, beim heutigen Pressegespräch in Amerang. „Ziel der Sonderausstellung ist es, Bayernbilder zu zeigen, die sich aus dem Selbstverständnis und dem Fremdbild ergeben.“ So geht die Ausstellung der Frage nach, wie die volkstümliche Unterhaltung die Stereotypen von den Lackl’n und Strizzis aufgegriffen hat.

Die Ausstellung trägt ihre Handschrift: Katharina Kuhlmann hat das thema liebevoll für die ganze Familie umgesetzt.

Die Ausstellung trägt ihre Handschrift: Gestalterin Katharina Kuhlmann hat das Thema sehr anschaulich und liebevoll für die ganze Familie umgesetzt.

Die meisten dieser „Bayernbilder“ entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert. „München entwickelte sich damals durch den enormen Zuzug der Landbevölkerung zur Großstadt“, erläuterte Kurator Andreas Koll. Die neue städtische Bevölkerung grenzte sich dann gegenüber den „Dummen vom Land“ ab. „So ist die Figur des ‚g’scheerten Lackl‘ entstanden, und präsentiert wurde sie in Vergnügungstheatern aller Art, die damals aus dem Boden geschossen sind“. Varieté- und Volkssängerabende lockten in München Tausende von Besuchern an.

Zeitzeuge Roider Jackl

Gleichzeitig suchten die Münchner im Voralpenland Erholung. In den Dörfern fanden sie ihre Rückzugsmöglichkeit, und sie verbrüderten sich mit großer Begeisterung mit den Einheimischen. „Sie begeisterten sich für Lieder, Tänze und Theater“, so Koll weiter. „Dadurch ist ein neues Phänomen entstanden: Alpensänger gabenben Konzerte, Bauerntheatergruppen unterhielten das Publikum, und sie zogen mit ihren Stücken durch das Land.“

Diese volkstümliche Unterhaltung in Stadt und Land förderte die Verbreitung der Bayernbilder, wie sie bis heute erhalten blieben sind. Die „Bayernbilder“ wurden schließlich noch von den Touristikern aufgegriffen und für die Werbung im In- und Ausland verwendet. „Unsere Besucher dürfen sich auf interessante Einblicke in die Geschichte der volkstümlichen Unterhaltung freuen“, sagte die örtliche Museumsleiterin Dr. Claudia Richartz. „Vertreten sind in unserer Ausstellung natürlich prominente Zeitzeugen wie Oskar Maria Graf oder der Roider Jackl.“

Das unterhaltsame Rahmenprogramm

Eine unterhaltsame literarische Wanderung mit Dr. Norbert Göttler, Bezirksheimatpfleger gibt's am Sonntag in Amerang. Seien Sie dabei!

Eine unterhaltsame literarische Wanderung mit Dr. Norbert Göttler, Bezirksheimatpfleger, gibt’s am Sonntag in Amerang. Seien Sie dabei!

Unterhaltsam und interessant ist das Rahmenprogramm zur Ausstellung. „Wir werden den Besuchern viele Facetten der oberbayerischen Unterhaltung präsentieren“, so Richartz weiter. „Typisch Oberbayern!“ heißt der Vortrag vom Fachberater für Heimatpflege des Bezirks Oberbayern Dr. Norbert Göttler am 23. Juni um 14 Uhr. Mit dabei hat er einen Dialektquiz, bei dem es auch kleine Preise zu gewinnen gibt. Am 2. Juli hält Alexander Wandinger vom Trachteninformationszentrum des Bezirks Oberbayern um 19 Uhr eine Trachtensprechstunde im Ameranger Bauernhausmuseum.

Ungewöhnlich ist die Veranstaltung „NeoTradMusic und Volksmusik“ am Dienstag, dem 6. August um 20:00 Uhr. Ernst Schusser vom Volksmu-sikarchiv des Bezirks Oberbayern informiert über neue Entwicklungen bei der Verwendung regional überlieferter Musik – mit vielen spannenden Hörbeispielen. Ein Jodelseminar darf natürlich auch nicht fehlen. Insgesamt bietet das Museum als Rahmenprogramm zur Sonderausstellung vom 23. Juni bis zum 22. September zehn Veranstaltungen an. Informationen dazu gibt es im Internet unter www.bhm-amerang.de und telefonisch unter 08075/ 915090.

Der Überblick:

So, 23.06., 14 bis 16 Uhr

Typisch Oberbayern!
Vortrag und Quiz mit Dr. Norbert Göttler

Di, 02.07., 19 bis 21 Uhr

Trachtensprechstunde
Mit Alexander Wandinger, Fachberatung Trachten-Informationszentrum

So, 07.07., 14 bis 15:30 Uhr

Alpensänger und Bauerntheater
Führung mit dem Ausstellungskurator Andreas Koll

Fr, 12.07., 19:30 bis 21:30 Uhr

Die „Singermaschin“ rattert
Simone Lautenschlager, Evi Keglmaier, Josef Parzefall und Florian Burgmayr

So, 28.07., 14 Uhr

Das bayerische Schneewittchen
Märchenerzählung mit Musik von und mit Stefan Murr und Heinz-Josef Braun

Di, 06.08., 20 Uhr

NeoTradMusic und Volksmusik
Votrag mit Ernst Schusser, Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern

So, 11.08., 14 Uhr

»Hül Jo Düüü Rüüüü«
Jodelseminar für Anfänger und Fortgeschrittene

So, 18.08., 14 Uhr

Strizzis, Lackl’n, Goaßlschnalzer
Führung mit dem Ausstellungskurator Andreas Koll

So, 25.08., 14:30 Uhr

Kasperl und das Geschpenscht
Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater

So, 22.09.,  9 bis 18 Uhr

Handwerkertag und Schafprämierung
Entdecken Sie alte Handwerkstechniken neu!

 

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