Bäume und die Schrotschusskrankheit

Arme Kirsche: Der viele Regen fördert Entwicklung einer Pilzkrankheit bei uns

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Schrotschusskrankheit 1Landkreis – Die ersten Hinweise auf die Schrotschusskrankheit gab es bereits im Mai. Die Blätter an den Kirschbäumen bekamen braune Flecken. Dann wurden sie löchrig, wie mit Schrot durchschossen. Schließlich werden sie gelb und fallen ab. Sepp Stein, Gartenfachberater im Landratsamt Rosenheim, macht wenig Hoffnung, dass das noch etwas wird mit der Kirschenernte in diesem Jahr.

Die befallenen Kirschbäume werden weitgehend kahl sein. Nur außen an den Kronenspitzen bleiben die jungen Blätter noch einigermaßen grün. Auch die heranwachsenden Kirschen bekommen Flecken und werden ungenießbar, sagt Stein.

Schuld an dem Elend der Kirschbäume ist eine Pilzkrankheit. Weil es im vergangenen Jahr im Mai und Juni ähnlich regnerisch war wie heuer, ist der Infektionsdruck in den Kronen entsprechend hoch. Der viele Regen derzeit und die damit verbundene ständige Blattfeuchte sorgen dafür, dass die Bäume besonders anfällig sind. Auch Zwetschgen und Pflaumen werden zwischenzeitlich befallen, vor allem wenn sie in der Nähe von Kirschbäumen stehen.

Als Erste Hilfe-Maßnahme rät Sepp Stein, die Widerstandskraft der Obstbäume zu stärken. Dann wird er grundsätzlich: „Erstes Gebot ist, Kirschen nur an geeigneten Standorten zu pflanzen. Es soll der trockenste und windigste Platz im Garten sein, damit die Krone nach Regen oder bei Morgentau schnell abtrocknet. Der Boden soll sandig oder kiesig sein, damit er ebenfalls schnell trocknet und sich erwärmt. Für unsere Väter galt, Kirschen sollen auf Bauschutt gepflanzt werden, das entspricht einem durchlässigen, warmen Boden mit hohem Kalkgehalt.“

Schrotschusskrankheit 2

Kirschen mögen viel Kalk im Boden, er soll einen ph-Wert um 7 haben. Allerdings besteht in Obstgärten nach Stein‘s Erfahrung häufig ein Mangel an dem Pflanzennährstoff Kali. Dieser ist aber wichtig, weil er die Widerstandskraft der Obstbäume stärkt. Der Gartenfachberater schlägt daher vor, Kali in Form von Kalisulfat zu düngen. Kalimagnesia oder Patentkali sind in unserer Region weniger geeignet.

Um den Kirschbäumen für das nächste Jahr zu helfen, empfiehlt Stein, die Bäume im Winter oder im Frühjahr stark zu schneiden. So können die an den befallenen Zweigen überwinternden Sporen aus den Kronen entfernt werden. Der Rückschnitt regt zudem starken Neutrieb an.

Chemische Mittel zur Bekämpfung der Schrotschusskrankheit in Hausgärten gibt es kaum. Lediglich „Duaxo universal“ kann gemäß seiner Zulassung im Mai kommenden Jahres auf die frisch austreibenden Blätter gespritzt werden, um sie so vor einer Neuinfektion zu schützen. Noch besser wäre es allerdings, wenn der Mai und der Juni 2017 trocken wären, dann wäre für die Kirschen die Welt sowieso wieder in Ordnung, ist sich Sepp Stein sicher.

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