Marx: „Eine der schönsten Kirchen der Welt“

Feierlicher Gottesdienst mit Kardinal in Rott - 250. Weihetag

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OLYMPUS DIGITAL CAMERARott – In seinen Augen ist sie eine der schönsten Kirchen der Welt: Erzbischof Reinhard Kardinal Marx ist am heutigen Sonntag in Rott zu Gast – anläßlich des 250jährigen Jubiläums zum Weihetag der Rokoko-Kirche. Unübersehbar am hohen Rand des Inngrabens steht sie – zu Ehren von St. Marinus und Anianus. Mit Stolz und Dankbarkeit und vor allem viel Fröhlichkeit feiern die Rotter schon seit Tagen ihr Juwel. Erzbischof Reinhard Kardinal Marx erinnerte im Pontifikalamt heute daran, wie zerbrechlich alles sei. Deshalb komme es darauf an, auch eine Kirche von innen zu stärken. Es gehe um den Zusammenhalt und die Gemeinschaft.

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Fotos: Renate Drax

Schon zuvor hatte es heute im Kaiserhof ein Standkonzert bei schönstem Herbstwetter mit der Knappenkapelle Fieberbrunn zum Empfang des Kardinals gegeben. Den Festgottesdienst gestaltete der Kirchenchor mit einer Bläsergruppe. Großer Gott, wir loben dich – anschließend führte ein Festzug alle zum Zelt, wo das gemeinsame Mittagessen wartete. Neben den Fahnenabordnungen und ihren Vereinsmitgliedern nahmen an dem Festzug auch Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sowie Pfarrer Klaus Vogl und Bürgermeister Marinus Schaber teil, Zahlreiche Ehrengäste, die Kirchenverwaltung, der Gemeinderat sowie die Rotter Bevölkerung und alle Gottesdienst-Teilnehmer mit den Musikanten aus nah und fern folgten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Mittelpunkt von allem: die Rotter Kirche. Über diese ehemalige Benediktiner-Abtei gerät selbst der sonst recht nüchterne Polyglott-Reiseführer ins Schwärmen:

„Mit Recht ist Rott durch seine Klosterkirche berühmt, neben der Wieskirche einer der reinsten und kostbarsten Rokokobauten Bayerns.” Und im Kompass-Kultur-Reiseführer wird die Kirche als der „wohl schönste Kirchenraum des 18. Jahrhunderts” gelobt. Johann Michael Fischer schuf die Architektur, Ignaz Günther den Hochaltar und die Skulpturen, sein Namensvetter Matthäus die Deckenfresken. Außerdem waren u.a. Josef Götsch (Skulpturen) und Jakob Rauch (Stuck) beteiligt – alle berühmte Künstler ihrer Zeit.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnno 1083 stiftete Pfalzgraf Kuno von Rott in Gedenken an seinen einzigen, zwei Jahre zuvor auf dem Schlachtfeld gefallenen Sohn große Teile des heutigen Ortskerns den Benediktinern für ein Kloster. Die pfalzgräfliche Dynastie starb aus, aber die kirchliche Stiftung entwickelte sich weiter. War schon der Anlass für die Erbauung des Klosters ein martialisches Ereignis, so bestimmten kriegerische Wirrnisse auch weiterhin die Geschicke der Abtei mit. Verwicklungen in den Hussitenkrieg, in den Landshuter und später den österreichischen Erbfolgestreit sowie in den 30jährigen Krieg markierten die unruhige Historie des Klosters. Trotzdem war die Rotter Benediktinerabtei jahrhundertlang eines der geistigen Zentren in Altbayern.

OLYMPUS DIGITAL CAMERASeit 1763 steht an der Stelle der ursprünglichen romanischen Basilika das heutige Rokokobauwerk. Bedingt durch die Säkularisation wurde 1803 das Kloster aufgelöst, Teile der Anlage niedergerissen oder verkauft, der Waldbesitz verstaatlicht und die wertvolle Bibliothek bis auf wenige Ausnahmen verschleudert. 1937 tut ein Großbrand ein übriges: Etliche der noch vorhandenen Gebäudeteile fallen den Flammen zum Opfer. Die Kirche allerdings bleibt erhalten und dient heute als Pfarrkirche. Ihre ausgezeichnete Akustik gibt immer wieder Anlass für Kirchenkonzerte und festliche Gottesdienste.

Nach zwei teilweise nicht originalgetreuen Restaurierungen in den Jahren 1867 und 1962/63 wurde die ehemalige Klosterkirche von 1991 bis 2002 einer umfassenden Gesamtsanierung unterzogen, die sich am ursprünglichen Zustand orientiert. Seit Juli 2002 ist die Rotter Kirche wieder zugänglich und in neuer, alter Pracht zu besichtigen.

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