Junger Mann kaut Schmerzpflaster und stirbt

Zwölf Drogentote: Schon neunter Fentanyl-Fall bei uns

image_pdfimage_print

Blaulicht Landkreis – Ein 27 Jahre alter Rosenheimer wurde am 23. Oktober leblos in der elterlichen Wohnung gefunden. Der Mann konnte zwar zunächst reanimiert werden und kam in eine Klinik, dort verstarb er jedoch vor wenigen Tagen. Offenbar wurde der Verstorbene ein Opfer seines Drogenkonsums. Wie die Kripo am heutigen Montag mitteilt, hatte der junge Mann für seine Oma Schmerzpflaster in der Apotheke gekauft und eines davon gekaut. Es ist heuer bereits der neunte Rauschgift-Tote im Raum Rosenheim, bei dem Fentanyl mitursächlich für den Tod war – von insgesamt zwölf Drogentoten.

Angehörige hatten den 27-Jährigen am 23. Oktober gegen 19.30 Uhr leblos am Boden in der elterlichen Wohnung liegend gefunden. Der alarmierte Notarzt konnte den Mann, bei dem ein Herzstillstand festgestellt wurde, reanimieren und zur weiteren Behandlung ins Rosenheimer Klinikum bringen, wo der junge Mann aber in der vergangenen Woche verstarb. Die Rosenheimer Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen zur Klärung der Todesumstände.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass der Verstorbene am 23. Oktober Medikamente für seine Großmutter in einer Apotheke abgeholt hatte, darunter auch eine Packung rezeptpflichtiger Schmerzpflaster. Der 27-Jährige, der als langjähriger Konsument auch harter Drogen bekannt war, „zweigte“ sich daraus offenbar ein Fentanylpflaster ab und kaute dieses. Dieses Pflaster war von den Ärzten im Klinikum Rosenheim im Mund des leblosen Patienten gefunden worden.

Vortest bestätigte Aufnahme von Opiaten aus Pflaster

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Traunstein – Zweigstelle Rosenheim – wurde der Leichnam vergangenen Donnerstag im Münchner Institut für Rechtsmedizin obduziert. Auch wenn das endgültige Ergebnis der toxikologischen Untersuchungen noch ausstehe, so habe laut Kripo ein Vortest schon die Aufnahme von Opiaten aus dem Schmerzpflaster bestätigt.

Kriminalhauptkommissar Gerold Kreuzinger, stellvertretender Leiter des Kommissariats Rauschgiftkriminalität der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim, warnt vor den Risiken: „Fentanyl ist ein starkes Schmerzmittel, das vom Betäubungsmittelgesetz erfasst wird. In seiner Wirkung wird es als 80- bis 100-mal stärker als entsprechende Morphinpräparate beschrieben. Fentanyl hat sich in den letzten Jahren als gängiges Ersatzmittel bei Drogenabhängigen etabliert. Der Wirkstoff ist vor allem in Schmerzpflastern enthalten. Die Pflaster werden unter den Drogenabhängigen gehandelt, der Wirkstoff wird auf unterschiedliche Art und Weise konsumiert.“

Die große Gefahr für den Konsumenten liege vor allem darin, dass die Dosis nur schwer abzuschätzen sei und es daher immer wieder zu Überdosierungen komme. Das traurige Ergebnis dieser Entwicklung ist, dass heuer bei neun von zwölf Rauschgift-Todesfällen im Zuständigkeitsbereich der Rosenheimer Kripo der Konsum von Fentanyl zumindest mitursächlich für den Tod gewesen sei.

Auch die Pharmazie warnt

Fälschlich verordnete oder nicht fachgerecht entsorgte Fentanylpflaster werden zunehmend von Drogenabhängigen missbraucht. Darauf weisen auch die Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS) sowie die Pharmazie hin. So sei die Zahl der Drogentoten mit Beteiligung von Fentanyl gestiegen – siehe Rosenheim. Es wird vermutet, die Pflaster stammen oft aus medizinischen Abfällen von Krankenhäusern und Pflegeheimen oder werden unter der Angabe orthopädischer Schmerzen von Ärzten auf Rezept erschlichen. Gebrauchte Pflaster enthalten große Restmengen Fentanyl. Die Süchtigen kochen die Pflaster in Wasser aus, um den Wirkstoff herauszulösen. Dieses Wasser spritzen sie sich intravenös. Alternativ kauen sie die Pflaster.

Gewarnt werden auch die Ärzte, die Verschreibung bei fremden Patienten sorgfältig zu prüfen. Bei Neuverschreibungen sollten die benutzten Pflaster am besten dem Arzt zurückgegeben werden. Zwar dürfen sie offiziell in den Hausmüll. Die Entsorgung sollte jedoch besser fachgerecht in Praxen, Kliniken, Altenheimen und Apotheken erfolgen. Dazu sollten die Pflaster nach Benutzung an den Klebeflächen aneinandergeklebt werden. Fachpersonal sollte die Pflaster zerschneiden und an einem gesicherten Ort bis zur endgültigen Entsorgung aufbewahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.