Bei Kanufahrt im Biber-Fieber

Attler Au: Sie fällen Bäume, stauen Seen - und sind sozial

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Biber am DammAttler Au – Nachts werden sie aktiv, fällen Bäume und stauen Seen. Mit a bissal Glück kann man vom Fischerboot aus einen – in der Abendsonne sitzend – am Innufer sehen. Aber unter Wasser fühlen sie sich einfach am wohlsten: Biber. Auch bei uns rund um Wasserburg und am Inn sind die scheuen Tiere sesshaft geworden. Ein neuer, gerade mal zwei Monate alter Damm existiert in der Attler Au nahe dem Restaurant „Fischerstüberl“ an einem kleinen Wasserzulauf zum Inn. Dort hat sich laut Constanze Pasch eine ganze Familie niedergelassen.

„Seit ein paar Wochen beobachten wir die Biber mit einer Außenkamera, wie sie nachts fressen – meist Weichholz, Mais und Getreide – und an ihrem Damm weiterbauen“, erzählt sie. Pasch ist ein wahrer Biberfan und dokumentiert mit weiteren Biberfreunden intensiv den neu entstandenen Damm. Mittlerweile haben sich bereits drei Stationen am Biberdamm gebildet, die jeweils einen Kilometer auseinanderliegen. „Die jüngste Station ist gerade mal ein paar Tage alt“, so Pasch. Neben gefällten Baumstämmen und abgenagten Ästen kann man am Uferrand auch sogenannte „Biberrutschen“ entdecken. „Das ist die Stelle, an der die Tiere vom Ufer aus ins Wasser auf ihrem Schwanz hinunterrutschen“, so Pasch.

Der sei übrigens, so erklärt sie, nicht nur als ,Höhensteuer‘ beim Abtauchen geeignet: Der abgeflachte Biberschwanz dient in erster Linie als Wärmeaustauscher, wenn es dem Tier beim Baumfällen zu heiß wird. Den Vortrieb beim Schwimmen erzeugen die mit Schwimmhäuten versehenen Hinterfüße.“

Der Biber als Nutztier In ihrer „Biberburg“, die im wetterfesten Hochbau mehrere Meter hoch werden kann, bewegen sich die zur Gattung der Nagetiere gehörenden Tiere überwiegend nachts. Tagsüber bleiben sie unter Wasser, wo sich auch die Eingänge zu ihren drei Tiefbauten befinden. „Biber sind trotz ihrer Größe von bis zu 1,20 Meter und einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm hervorragende Taucher und Schwimmer“, weiß Pasch. Durch ihr dichtes Fell frieren sie nicht und brauchen daher keinen Winterschlaf zu halten. Außerdem betätigen sie sich in einzigartiger Weise als Holzfäller, bauen Dämme, stauen Bäche zu Seen auf und regulieren den Wasserabfluss. „Biber lassen ihre gefällten Stämme nicht in der Gegend herumliegen, sondern verwerten sie in ihrem Heim. Sie stecken die Äste mit System, verflechten sie ineinander und dichten die Enden mit Lehm und Erde ab“, erklärt Pasch.

Deshalb sei es besonders wichtig, dass Biberdämme nicht zerstört werden dürfen. Außerdem sei der Biber sogar EU-rechtlich geschützt. Wer seinen Damm also ohne Grund zerstört, dem droht sogar eine Geldstrafe. Pasch und weitere Biberfreunde schützen die Felder der Bauern zusätzlich mit Rohren und Drainagen, die sie am Biberdamm anbringen, damit der Pegelstand stabil bleibt. „Denn der Biber würde sonst ganze Felder fluten, da kennt er kein Pardon. Die Rohre aber verarbeitet er nachts wie einen Baumstamm in seinen Damm mit hinein“, schmunzelt Pasch. „Und der Wasserstand bleibt somit stabil.“

Der Biber und seine Freunde

„Biber sind sehr soziale Tiere“, berichtet Pasch. „Ihre Jungen kommen Anfang Juni zur Welt. Ein Biberweibchen zieht in der Großfamilie zwei Jahre lang etwa zwei bis vier Junge groß. Wenn sie geschlechtsreif sind, werden sie verstoßen und müssen sich eine eigene Familie suchen“, sagt Pasch. „Biber schaffen in ihrem Feuchtgebiet auch weitere Lebensräume für Frösche, Libellen, Schmetterlinge, Fische, Vogelarten, Schlangen oder Mäuse und leben mit ihnen gemeinsam in einem Gebiet.“ Durch das aufgestaute Wasser bilden sich Nährstoffe, die wiederum zu einem fruchtbaren Boden führen, weiß Pasch. Und dort wachsen auch verschiedenste Pflanzenarten.

„Der Biber lässt durch seinen Damm also ein einzigartiges Tier- und Pflanzenbiotop entstehen“, schmunzelt der Biberfan. Und wo kann man jetzt einen Biber hautnah in Natura erleben? „Nun, die größte Chance einen Blick auf die nachtaktiven Tiere zu erhaschen ist in der Dämmerung bei einer Kanufahrt im Stauraum von Wasserburg“, so Paschs Tipp. „Aber dabei gilt: Ruhig und unauffällig verhalten … und wenn man Glück hat, schwimmt einer vorbei!“ (BM)

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