„Ich bin so froh, dass ich euch habe“

Taufe, Kommunion und Firmung in einem für Umi Horiguchi (33) in Pfaffing

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1Es war ein äußerst berührender Sonntag für die katholische Pfarrei Pfaffing. Und eine besondere, einmalige Freude: Es gab im Rahmen des Gottesdienstes eine Taufe – gleich mit Heiliger Kommunion und Firmung in einem – für eine Erwachsene! Umi Horiguchi (33), die seit einigen Monaten in Pfaffing lebt, aus Tokio stammt und den Pfaffinger Kirchenchor sowie Kinderchor begeisternd leitet, ist der katholischen Kirche feierlichst beigetreten …

Fotos: Renate Drax

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Die feierliche Taufe …

Als in der Pfarrkirche St. Katharina die Stelle als Organistin und zudem als Kirchenchorleiterin ausgeschrieben war, hatte sich Umi beworben. Seitdem ist sie aus dem Leben der Pfarrei nicht mehr wegzudenken.

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… und die Firmung durch Pfaffings Pfarrer Josef Huber. Neben Umi ihre Paten Monika Demmel (links) und Marianne Schmid.

„Ich bin so froh, dass ich euch habe.“ Umi Horiguchi lächelt ihr bezauberndes Lächeln, als sie vor dem Pfaffinger Pfarrheim die Freude und geradezu Freundschaft aller bescheiden entgegen nimmt. Sehr hübsch sieht sie aus im feschen, neuen Dirndl, das ihr der Kirchenchor geschenkt hat. Ihre Mama, die eigens aus Japan angereist ist, steht still und Tränen wegwischend neben ihr. Die Beiden aus dem großen, fernen Tokio erlebten mit zahlreichen Gläubigen in der Pfaffinger Kirche am Sonntag einen wunderbaren Gottesdienst.

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Michael Kafka, im Hintergrund Pfaffings Mesner Franz Huber.

Jung und Alt halfen gemeinsam zu einem besonderen Erlebnis zusammen. Georg Lettl und Sabine Hiebl lasen die Lesungen, Monika Demmel die Fürbitten, der Kirchenchor sang unter der Leitung von Umis Vorgängerin, Monika Stockmaier, die auch noch – zur Überraschung und Rührung aller – ein Lied auf japanisch einstudiert hatte.

Und Pastoralassistent Michael Kafka fand schöne Worte für den Täufling Umi, die durch Pfarrer Josef Huber dann hintereinander das Sakrament der Heiligen Kommunion und Firmung empfangen konnte. Auch Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Marianne Schmid, die Umi längst eine gute Freundin geworden ist, sagte der jungen Japanerin und Neu-Pfaffingerin berührende, verbundene Worte durch das Mikrofon.

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Ein herzlicher, bayerischer Empfang für Umi vor der Kirche durch die Pfaffinger Musi, wo sie überm Dirndl – in der großen Hitze – noch das weiße Kleid ihrer Kommunion und Firmung trägt.

Draußen wartete in glühender Hitze die Pfaffinger Musi um Bernhard Pauker, die ihr Mitglied Umi – sie spielt dort Trompete – stilvoll bayerisch empfing und zum Fest im Pfarrgarten geleitete.

Der Pfarrgemeinderat hatte dort bereits alles bestens vorbereitet, überreichte durch Gerhard Feckl und Sepp Reich zudem ein schönes Geschenk. Und zahlreich waren die Pfaffinger der Einladung zum fröhlichen Beisammensein gefolgt. Vom Altbürgermeister Sepp Niedermeier mit Gattin bis zum amtierenden Bürgermeister Lorenz Ostermaier mit Gattin – alle waren gekommen. Und der Kirchenchor sang noch einmal für Umi – über die Sonne im Herzen!

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Umis Kirchenchor in Pfaffing, hier zum Festtag noch einmal stellvertretend geleitet von ihrer Vorgängerin Monika Stockmaier, die eigens ein Lied auf japanisch einstudiert hatte.

Unser kleines Portrait:

Umi und das Gefühl für die Kirchenmusik …

8„Oh, ich fühle mich hier sehr wohl in Pfaffing – sehr. In Tokio sind viel zu viele Menschen. Die Geschäftigkeit dort ist viel zu groß.“ Umi Horiguchi (33) sagt es ernst – aber auf bestem Deutsch. Seit einigen Monaten ist sie hier in Pfaffing – in dieser so ganz anderen Welt als in Tokio. Vor vier Jahren gleich nach der Nuklear-Katastrophe von Fukushima kam sie nach München, wohin sie ohnehin auswandern wollte. Sie lernte einen Kirchenmusiker aus Passau kennen und war seitdem mit der Kirchenmusik vertraut, half als Organistin aus und sang in einer Kirche, die auch der Heiligen Katharina geweiht war.

Als im Sommer die Stelle für Pfaffing als Organistin hier in der Pfarrkirche St. Katharina und zudem als Kirchenchorleiterin ausgeschrieben war, da war es für sie wie ein Zeichen – Umi bewarb sich.

„Mein Vertrauen zu Gott – es fühlt sich richtig an“ 

Mit dem Bus sei sie vom Bahnhof in Grafing nach Pfaffing gefahren und wusste gar nicht, wo das überhaupt sein sollte. Der in Tokio ausgebildeten Musiklehrerin an der Junior-Highschool zeigte die Pfaffinger Kirche den Weg zu Pfarrer Huber, der ihr zusammen mit der Kirchenverwaltung die Stelle als Nachfolgerin von Monika Stockmaier gab.

Die Katastrophe von Fukushima erlebte Umi in einem Firmengebäude im sechsten Stockwerk mitten in Tokio. Man habe sich nicht mehr auf den Beinen halten können, so habe das Haus geschwankt. Ihre Eltern sagen, es sei gut, dass sie nach Deutschland gegangen sei, denn dann würde wenigstens eines ihrer Kinder die Strahlenkatastrophe überleben, sagt Umi leise. Die Menschen dort würden täglich an die Verstrahlung denken – die Regierung nicht, sagt die 33-Jährige.

9Wie bemüht sie ist, sich hier in Pfaffing gut einzuleben, beweist, dass sie sofort bereit war, bei der Pfaffinger Musi Trompete zu spielen. Dankbar sei sie dafür. Es mache sehr viel Spaß.

Umi spricht bereits sehr gut deutsch und beherrscht auch schon die für sie fremde Schrift sehr gut. Ich frage sie, ob sie hier bei uns schon etwas für ihr Leben gelernt habe. Sie sagt ernst: „In Japan kann man Gott nicht gut kennenlernen. Dort gibt es nur ein Prozent Christen.“ Umi lächelt still: „Mein Vertrauen zu Gott – es fühlt sich richtig an.“

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Der Kinderchor von Umi  in Pfaffing

Yuhi ya konko. Das ist japanisch und es ist der Titel des Lieblings-Kinderliedes von 13 Mädchen und einem Buben in Pfaffing. Die quer durch die ganze Gemeinde jetzt immer freitags zusammen kommen im Pfaffinger Pfarrsaal und gemeinsam singen. Unter der engagierten Leitung von Umi.

Mit größter Freude und fast vollständig sind die Mädchen und der Bub auch diesmal wieder beim Proben da. Eine fröhliche Stimmung herrscht. Das kleine japanische Lied können sie alle auswendig und singen es mir gleich vor. Es heißt zwar vom Text her, dass der Schnee gleich daherkommt, aber das macht nichts – es klingt trotzdem sehr schön. Und die Kinder freuen sich, dass ich gar nichts verstehe vom Text.

Der junge Pfaffinger Kinderchor hatte auch schon Auftritte in der Kirche. Alle freuen sich darauf, auch wenn sie a bissal aufgeregt sind. Umi ist stolz darauf, wie viel ihr kleiner Chor schon schafft. Und richtige Talente sind auch dabei.

Wer mag und schon in der 3. Klasse zur Schule geht – bis zur 6. – kann gerne freitags um 16 Uhr im Pfaffinger Pfarrsaal einfach mal vorbeischauen. Nebenbei unterrichtet Umi übrigens auch noch privat Klavier und Gesang im Pfarrheim.

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