Hagelflieger: Sind in Bereitschaft

Ungewöhnliche Wetterlage hält das Team auf Trab

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Landkreis –  Erfolg ist, wenn es nicht hagelt im Landkreis: Auf Grund der ungewöhnlichen Wetterlage sind die Rosenheimer Hagelflieger derzeit regelmäßig in der Luft. Wie der Chef der Piloten, Georg Vogl, heute sagte, gebe es derzeit ein großes Hoch, das von Nordafrika bis Skandinavien reiche. Innerhalb dieses Hochs entstehen immer wieder sogenannte Hitzetiefs mit zum Teil heftigen Unwettern. Die nächsten größeren Gewitter könnte es am heutigen Dienstagabend wieder in der Region geben. Die Hagelflieger sind in Bereitschaft, sagt Vogl.

Diese Gewitter entstehen vorwiegend in den Bergen, weil es hier noch genug Feuchtigkeit gibt, die verdunsten kann. Aber auch durch die Seen im Flachland gebe es Feuchtigkeit, allerdings sei das Wasser in der Regel kühler als die Umgebung.

Mit 300 Stundenkilometern fliegen die Piloten in ihren Partenavia-Maschinen in 1.000 Metern Höhe und pirschen sich heran. Die dunkelste Stelle in einer bedrohlichen Gewitterwolke ist das Ziel von Georg Vogl und seinen fünf Kollegen. Ihr Einsatzgebiet ist recht groß. Es umfasst eine Fläche von 4.400 Quadratkilometern und erstreckt sich über die Stadt und den Landkreis Rosenheim, die Landkreise Miesbach und Traunstein sowie seit dem Jahr 2000 auch über 13 angrenzende Gemeinden des Bezirks Kufstein auf österreichischer Seite.

Mitten hinein in die Wolke soll ihre Ladung. Die Flugzeuge tragen an ihren Flügelenden raketenförmige Behälter, gefüllt mit einem Gemisch aus Aceton und Silberjodid. Dieses Gemisch wird in eine Brennkammer gespritzt und auf Knopfdruck des Piloten, der in den Aufwindbereich der Gewitterzelle fliegt, gezündet.

Genau ins Zentrum sollten die Silberjodid-Ionen gelangen, sodass die Hagelentstehung gestoppt oder von Haus aus vermieden wird. Die nach oben ins Zentrum strömende Luft reißt die Ionen mit. Diese bieten den Wassermolekülen in den Wolken Andockstellen, so dass dann Wassertröpfchen oder Hagelkörnchen entspringen. „Je mehr solcher Keimzellen in der Wolke sind, desto mehr entstehen die zahlreichen kleinen und somit harmlosen Hagelkörner, die sich auf dem Weg zum Boden meist in harmlosen Regen zurückverwandeln“, weiß Vogl.

In der Bevölkerung genießen die Hagelabwehr und der 1994 gegründete Hagelforscherverein großen Rückhalt. Als in den 1990er-Jahren von Seiten einiger Wissenschaftler Kritik an der Wirksamkeit der Maßnahmen laut wurde, stärkte die Bevölkerung der Hagelabwehr mit einer spontanen Unterschriftenaktion den Rücken. Per Kreistagsbeschluss wurde daraufhin die Fortführung der Maßnahmen beschlossen. Heute unterstützen über 8.000 Vereinsmitglieder den Fortbestand des Vereins. Finanzmittel sind auch mehr als notwendig. Allein die Fixkosten betragen jedes Jahr rund 220.000 Euro.

Offenbar erwartet die Bevölkerung, dass die Hagelabwehr hundertprozentigen Erfolg hat. Laut Vogl kann man jedoch nur versuchen, die Hagelkörner relativ klein zu halten…

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