Gut leben, das heißt nicht, sich wegducken!

Neue Flüchtlingshilfe Pfaffing gegründet - Unser Kommentar

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAGut leben, heißt nicht, seine Ruhe zu haben und sich weg zu ducken. Insgesamt 35 Bürger kamen jetzt im Pfaffinger Gemeindesaal zusammen, um sich zu engagieren – in der neuen Flüchtlingshilfe Pfaffing, einem ehrenamtlichen Helferkreis. Das Interesse am Helfen ist in Pfaffing altersmäßig bunt gemischt. Was besonders schön ist. Was sie verbindet, die Helfer, ist der Mut, die Zukunft mit den neu angekommenen Bürgern in der Gemeinde – und den weiteren, die kommen werden – gemeinsam zu gestalten. Es ist keine Multikulti-Blauäugigkeit, Flüchtlingen zu helfen – es ist nur die Entscheidung zu handeln, menschlich zu handeln. Humaner Pragmatismus. Denn eine Wahl, die hat keine Gemeinde zur Zeit …

Zu verschiedenen Arbeitsbereichen wie etwa Erstkontakt, Sprache oder Behördengänge und Öffentlichkeitsarbeit wurden vor Ort Gruppen gebildet. Die Koordination und Organisation des Helferkreises insgesamt hat in Pfaffing Elisabeth Gralka übernommen – gemeinsam mit Werner Thüring und Christa Vogt-Hager.

Für die seit einigen Wochen in Pfaffing lebenden Flüchtlinge – es sind 24 derzeit – gibt es bereits Paten pro Unterkunft. Spontan, unbürokratisch. Die jungen Männer und auch Familien aus Eritrea, Afghanistan, Nigeria, dem Senegal leben – in drei Wohnhäusern aufgeteilt – mitten in Pfaffing.

Keine bedrohliche Invasion, sondern Menschen, die das Gleiche wie wir wollen: Leben in Frieden.

In Pfaffing ist es ein überparteilicher und überkonfessioneller Arbeitskreis aus ehrenamtlich tätigen, engagierten Bürgern, denen es um Folgendes geht:

  • Unterstützung in Notlagen
  • Kurse zum Erlernen der deutschen Sprache für Erwachsene und für Kinder
  • Hilfe, sich sofort nach Ankunft verständlich zu machen (Dolmetscher)
  • Menschliche Begleitung
  • Lebenspraktische Unterstützung (Begleitung zu Ämtern, Ärzten, …)
  • Unterstützung bei Schule, Bildung, Ausbildung und Jobsuche
  • Vermittlung von Sportmöglichkeiten / Musik / Freizeitaktivitäten
  • Vermittlung von Ehrenamtsarbeiten in Gärten zum Beispiel
  • Öffentlichkeitsarbeit

Die Pläne sind groß. In Pfaffing wird zudem an ein Internet-Cafe gedacht, an eine Kleiderkammer. Vielleicht sogar an eine eigene Tafel, bei der an alle bedürftigen Bürger der Gemeinde Lebensmittel ausgegeben werden. Die Betonung liegt stets auf alle Bürger – nicht nur für die Neuangekommenden …

Noch sind es nur Pläne. Aber schon sie stärken die Gemeinschaft. Lange am Abend stand man im Pfaffinger Gemeindesaal in den neuen Organisationsgruppen beisammen und dachte nach. Gemeinsam.

„Habt doch keine Angst!“, das möchte man mutig gern denen sagen, die sich große Sorgen machen vor Ort. Die zweifeln. Die einen immer wieder auffordern, sich zu rechtfertigen, warum man fremde Menschen zu einer Tafel fährt, warum man fremde Kinder in eine für sie fremde Schule begleitet.

Welche Wahl hat man denn? Die Wahl, nicht zu helfen? Entsteht nicht erst recht eine gefährliche Parallelgesellschaft frustrierter Minderheiten, wenn Hunderttausende in Deutschland und vielleicht Einhundert vor Ort in einer Gemeinde über Jahre als Menschen zweiter Klasse leben? In einem Container oder in einem Zelt? Haben wir dann nicht einen Apartheidstaat?

In Pfaffing geht es nur um das kleine Glück in einer kleinen Gemeinde. Genau jetzt. Die neuen Mitbürger sind da. Das ist die Realität. Weitere werden folgen. Es sind die Mutigen, die mit den Neubürgern Fußball spielen, ihre Radl reparieren, ihnen zeigen, wie man den Müll trennt oder mithelfen, dass Frieden auf deutsch nicht nur ein Wort ist …

Renate Drax

 

 

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