„Gesetze, die nicht praxistauglich sind“

Migrations-Beratungsstellen im Landkreis: Arbeiterwohlfahrt will Verbesserungen

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Die Migrations-Beratungsstellen in Stadt und Landkreis Rosenheim stehen vor großen Herausforderungen. Die Arbeiterwohlfahrt Rosenheim (AWO) rechnet mit einem drastischen Anstieg an Beratungsfällen. Die Grundlagen für ihre Arbeit seien aber verbesserungsfähig, erklärten Vertreter der AWO-Migrationsberatung in einem Gespräch mit der Rosenheimer Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig. „Unsere Region musste in jüngster Zeit einen sehr hohen Zuzug von Migranten verkraften“, so die heimische Wahlkreisabgeordnete.

Auf unserem Foto von rechts: AWO-Geschäftsführer Anton Reiserer, Migrationsberaterin Sigrid Kratochvil, MdB Daniela Ludwig, AWO-Kreisvorsitzender Peter Kloo, Migrationsberaterin Svitlana Senyk.

„Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat Konzepte für die Beratung entwickelt und begleitet diese auch. Finanzierung und Beratungskonzepte müssen schlüssig und vor Ort gut umsetzbar sein.“

Gerade daran hapert es nach Ansicht der AWO aber. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Gesetze haarscharfe Grenzen ziehen, die nicht praxistauglich sind“, erklärte der AWO-Kreisvorsitzende Peter Kloo.

Der Bund fördert zwei Beratungsangebote: Den Jugendmigrationsdienst für Zuwanderer bis 27 Jahre aus den Mitteln des Bundesfamilienministeriums, und die Migrationsberatung für Zuwanderer ab 27 Jahre aus den Mitteln des Bundesinnenministeriums.

Für letztere Gruppe ist die AWO-Migrationsberatung zuständig. „Diese starren Altersgrenzen sind in der Praxis nicht umsetzbar“, sagte Migrationsberaterin Sigrid Kratochvil. „Die meisten Flüchtlinge und Zuwanderer sind doch Familien. Und ich kann den Eltern schlecht sagen: ich kümmere mich um euch, aber mit den Kindern müsst ihr woanders hin und dort sechs Wochen auf einen Termin warten.“

Auch in Deutsch-Kursen steht Kratochvil vor diesem Problem. „Da sind alle Altersgruppen drin. Ich kann nicht sagen: mit dem einen rede ich, mit dem anderen nicht.“ Sigrid Kratochvil berät die Zuwanderer in den Schlüsselthemen für eine Integration: Schule und Beruf, Deutsch lernen, Wohnen, Familie. Ein heikler Punkt: die Arbeiterwohlfahrt bekommt die Beratung von jüngeren Zuwanderern nicht bezahlt. „Trotzdem sind wir uns einig: wir weisen niemanden ab.“

Der Jugendmigrationsdienst in Rosenheim sei personell unterbesetzt, wie der zu erwartende Anstieg der Beratungsfälle zu meistern ist, vermag die AWO nicht zu sagen. „Ein Ausbau der Beratungsstellen, eine verbesserte Finanzierung und bezahlbarer Wohnraum in der Region sind dringend notwendig“, so Geschäftsführer Anton Reiserer.

Daniela Ludwig hat Verständnis für die Anliegen der Arbeiterwohlfahrt. „Dass die Jugendmigrationsdienste und die Migrationsberatung für Erwachsene aus zwei verschiedenen Ministerien finanziert werden, und es so starre Grenzen gibt, halte ich auch für nicht ideal.

Wir müssen die Förderung künftig flexibler gestalten und auch dafür sorgen, dass ausreichend Personal zur Verfügung steht. Das muss bei der nächsten Haushaltsberatung im Bundestag auf der Tagesordnung stehen.“

Dabei geht es nicht nur um Migrationsberatung für Flüchtlinge und Asylbewerber. „Mein Klientel sind auch viele hoch qualifizierte, junge Zuwanderer aus EU-Staaten“, erläuterte Kratochvil. „Das wären Top-Arbeitnehmer. Doch wir haben eine so große Wohnungsnot, dass jetzt viele resignieren. Ich sehe viele straucheln. Sie geben die Deutschkurse auf, weil sie keinen Platz zum Lernen haben. Wir dürfen diese Leute nicht verlieren.“

Der Anstieg der Beratungsfälle und die nötigen Konsequenzen daraus werden Daniela Ludwig und die Arbeiterwohlfahrt weiter beschäftigen. Im Herbst will Ludwig an einem runden Tisch mit allen Beratungsstellen teilnehmen. „Ich will genau wissen, wo hier der Schuh drückt, damit wir in Berlin darauf reagieren können. Die Migrationsberatung und der Jugendmigrationsdienst leisten eine wertvolle Arbeit. Wir dürfen sie mit ihren Problemen nicht alleine lassen.“

 

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