Eine Verbeugung vor Wilhelm Busch

Pfaffinger Künstlern gelingt ein zauberhaftes Theater für Kinder

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Kätchen (Silvie Leonard) und der Prinz (Monika Rohde) vorm Schloss in Pfaffing. Fotos: Renate Drax

Kätchen (Silvie Leonard) und der Prinz (Monika Rohde) vorm Schloss in Pfaffing. Fotos: Renate Drax

Pfaffing – Es ist was im Busch: Ein feines, kleines Theater gab es heute Vormittag für die dritten und vierten Klassen der Grundschule Pfaffing. Der heimische Gestalter- und Malerkreis stellte den Kindern Geschichten vor von einem der ersten Humoristen der Nation – Wilhelm Busch. Es war wie eine Verbeugung vor – man könnte sagen – dem Ahnen der modernen Comic-Kunst. Die Buben und Mädchen lauschten aufmerksam Sprecherin Sigrid Maurice, die in Reimform die Busch-Werke zitierte.

 

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Die Künstlerin Uschi Kammerl in der Rolle des Knaben aus Wilhelm Buschs Werk Die beiden Schwestern.

Die Künstlerin Uschi Kammerl in der Rolle des Knaben aus Wilhelm Buschs Werk „Die beiden Schwestern“.

Passend dazu spielten Claudia Rester, Silvie Leonard, Uschi Kammerl und Monika Rohde in wunderschönen, selbst gefertigten Roben. Weitere Hauptdarsteller waren – zur Freude der Kinder – selbstgefertigte Handpuppen… 

Teata – Tatapetata: Bekannt für seineOLYMPUS DIGITAL CAMERA besonderen Ideen ist der rührige Gestalter- und Malerkreis in Pfaffing schon längst über die Landkreis-Grenzen hinaus. Eine rein ehrenamtliche Vereinsarbeit, die große Beachtung verdient. Diesmal überraschten die Künstler mit Wilhelm Busch und seinen Geschichten für Neffen und Nichten. Schelmisch umgedichtet – nur so a bissal… – von Autor Peter Weikl aus Graben bei Pfaffing. Man muss vielleicht dazu wissen, dass Busch die Kinder seiner Schwester ab etwa dem Jahr 1880 mit großzog und auch erzog. Denn er lebte in deren Familie, weil der Schwager verstorben war.

Verwandlungs-Genie Claudia Rester aus Pfaffing.

Verwandlungs-Genie Claudia Rester aus Pfaffing.

Mit großer Hingabe fertigt der Künstler-Kreis um Sigrid Maurice und Claudia Rester selbst die kreativen Puppen – gerne Unterwasser-Monster oder lustige Frosch-Kreationen – und auch die edlen Roben und Kostüme. Dazu sehr stimmig die Musik und entsprechende Geräusch-Kulisse. Besonders interessant wie bei dem zum Beispiel heute gezeigten Stück Die beiden Schwestern“ das pantomimische Spiel der Akteure – in diesem Fall Silvie Leonard und Claudia Rester als die ungleichen Schwestern Kätchen und Adelheid, Monika Rohde als aus einem Frosch verwandelten Prinzen und Uschi Kammerl als Knabe mit der Leier, der sich zurück in ein Wasser-Ungetier verwandelt.

Ihre Stimme verzaubert: Erzählerin Sigrid Maurice aus Rettenbach.

Ihre Stimme verzaubert: Erzählerin Sigrid Maurice aus Rettenbach.

Erzählerin Sigrid Maurice verstand es, die Aufmerksamkeit Kinder bis zum Schluss wach zu halten. Wilhelm Busch im Heute – viel Applaus für diese Idee in Pfaffing. (Siehe auch unseren Kommentar in der Rubrik „Des moanan mia“.)

Hier – für die Erwachsenen ein paar Gedanken von Wilhelm Busch aus einem Interview – man beachte aus dem Jahr 1892:

Lieber Herr Wilhelm Busch:

Was ist Ihre hervorstechendste Eigenschaft?
„Reiselust nach der Grenze des Unfaßbaren.“
Wie verstehen Sie das Glück?
„Irrlicht, darüber der Nordstern.“
Wie das Unglück?
„Sumpf, darüber der Nordstern.“
Wo möchten Sie leben?
„Wer wär nicht meist da am liebsten, wo er ungefähr denken kann, was er mag.“
Was wünschen Sie am sehnlichsten?
„Nein, nein! Das sagt er halt nicht.“
Welches historische Ereignis mißfällt Ihnen am meisten?

Franz von Lenbach (1836-1904): Porträt des Wilhelm Busch (um 1875)

Franz von Lenbach (1836-1904): Porträt des Wilhelm Busch (um 1875)

„Welches hat uns am meisten geschadet?“
Welche Fehler finden Sie am verzeihlichsten?
„Mitunter meine eigenen.“
Lieben Sie das Ideale oder das Reale?
„Man lebt und hofft.“
Was ist am schwersten zu erreichen?
„Daß man sich selbst hinter die Schliche kommt.“
Welches ist Ihre Lieblingsbeschäftigung?
„Siehe oben: hervorstechende Eigenschaft.“
Welche politische Richtung ist Ihnen am sympathischsten?
„Keine.“
Welches Vergnügen ist Ihnen das liebste?
„… rauchen tut er auch gern.“

Antworten Wilhelm Buschs vom 22. Mai 1892 auf Fragen von Luise Fastenrath, Köln
aus: Hermann, Adolf und Otto Nöldeke, Wilhelm Busch, München 1909, S. 171 (hier gekürzt).

 

Sogar ein Plakat gab's.

Sogar ein Plakat gab’s.

Und hier die Geschichte von den beiden Schwestern im Originaltext:

Geschichten für Neffen und Nichten aus dem Jahr 1881.
 
Die beiden Schwestern
Es waren mal zwei Schwestern,
Ich weiß es noch wie gestern.
Die eine namens Adelheid
War faul und voller Eitelkeit.
Die andre, die hieß Kätchen
Und war ein gutes Mädchen,
Sie quält sich ab von früh bis spät,
Wenn Adelheid spazierengeht.
Die Adelheid trank roten Wein,
Dem Kätchen schenkt sie Wasser ein.
Einst war dem Kätchen anbefohlen,
Im Walde dürres Holz zu holen.
Da saß an einem Wasser
Ein Frosch, ein grüner, nasser;
Der quakte ganz unsäglich
Gottsjämmerlich und kläglich:
»Erbarme dich, erbarme dich,
Ach, küsse und umarme mich!«
Das Kätchen denkt: Ich will’s nur tun,
Sonst kann der arme Frosch nicht ruhn!
Der erste Kuß schmeckt recht abscheulich,
Der grasiggrüne Frosch wird bläulich.
OLYMPUS DIGITAL CAMERADer zweite schmeckt schon etwas besser;
Der Frosch wird bunt und immer größer.
Beim dritten gibt es ein Getöse,
Als ob man die Kanonen löse.
Ein hohes Schloß steigt aus dem Moor,
Ein schöner Prinz steht vor dem Tor.
Er spricht: »Lieb Kätchen, du allein
Sollst meine Herzprinzessin sein!«
Nun ist das Kätchen hochbeglückt,
Kriegt Kleider schön mit Gold gestickt
Und trinkt mit ihrem Prinzgemahl
Aus einem goldenen Pokal.
Indessen ist die Adelheid
In ihrem neusten Sonntagskleid
Herumspaziert an einem Weiher,
Da saß ein Knabe mit der Leier.
Die Leier klang, der Knabe sang:
»Ich liebe dich, bin treu gesinnt,
Komm, küsse mich, du hübsches Kind!«
Kaum küßt sie ihn,
So wird er grün,
So wird er struppig,
Eiskalt und schuppig
Und ist – o Schreck! –
Der alte kalte Wasserneck.
»Ha!« lacht er. »Diese hätten wir!«
Und fährt bis auf den Grund mit ihr.
Da sitzt sie nun bei Wasserratzen,
Muß Wassernickels Glatze kratzen,
Trägt einen Rock von rauhen Binsen,
Kriegt jeden Mittag Wasserlinsen;
Und wenn sie etwa trinken muß,
Ist Wasser da im Überfluß.

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