Ein Zuhause statt einer Notunterkunft

Studenten der Innenarchitektur entwickelten Alternative zu Flüchtlings-Zeltlager

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Hochschule 1Eine Unterkunft für Flüchtlinge, klimaoptimiert, leicht zu transportieren, schnell aufbaubar und gleichzeitig ein „Zuhause“ – diese Idee setzten 15 Studierende der Innenarchitektur an der Hochschule Rosenheim in einen Prototyp um. Sie entwickelten in einem Projektseminar ein alternatives Modell zu den in Deutschland und Krisengebieten eingesetzten Zeltlagern, das „Shelter 20.20“. Der entstandene Entwurf aus wärmedämmenden Holzfaserplatten greift energetische, soziale und psychologische Aspekte auf. „Die gängige Methode von Zelten …

… ist zwar funktional, jedoch werden die Klimaschwankungen in Wüsten oder anderen Klimazonen damit nicht berücksichtigt. Zudem werden diese Zeltstädte über einen längeren Zeitraum – bis über Jahre hinweg – genutzt, obwohl sie nicht dafür ausgelegt sind“, erklärt Projektleiter Professor Dr. Michael Körner, Dozent der Rosenheimer Fakultät für Innenarchitektur, die Ausgangssituation.

Mit ihrer Konzeption wollen die Studierenden dem Gefühl der Heimatlosigkeit und dem Identitätsverlust der Flüchtlinge entgegenwirken, indem sie mit geometrischen Baumodulen aus Holz Strukturen schaffen, die weniger einem linear angeordneten Lager, sondern eher einer kommunikativen Wohnsiedlung ähneln. Durch den Modulgrundriss, der rechte Winkel bewusst aufbricht, entstehen Strukturen in Form eines Hexagons, die Innenhöfe und Plätze als Basis für Kommunikation und gesellschaftliches Leben in der Fremde bilden.

Die aus mehrschichtig gedämmten Holzpaneelen bestehenden Module können verschieden angeordnet und individuell auf unterschiedliche Nutzungen angepasst werden. Die entstehenden Module dienen neben Wohn- bzw. Schlafräumen auch als sanitäre Anlagen und als Basis für Solaranlagen auf dem Dach. Je nach Familiengrößen lassen sich zusätzlich Unterteilungen innerhalb eines „Shelter“-Hauses einbringen.

Für den Prototyp des Shelter 20.20 erarbeiteten die Studierenden gemeinsam mit Projektpartnern eine sandwichartige Holz-Konstruktion aus nachhaltigen Materialien. Diese wird für Wand-, Boden- und Dachelemente genutzt und bietet optimalen Schutz gegen Hitze und Kälte. Jedes Modul besteht aus je 66 Einzelelementen und ist so konstruiert, dass es sich dank einer speziell entwickelten Steckverbindung werkzeugarm aufbauen lässt.

Während der Projektphase setzten sich die Studierenden intensiv mit der Situation von Flüchtlingen auseinander und besuchten Notunterkünfte in der Region. Ein Team der Studierenden beschäftigte sich zusätzlich mit dem Design und Bau eines Prototyps für multifunktionale Möbelstücke. Als Grundausstattung definierte das Team einen Tisch, Stauraum, Sitz- und Schlafmöglichkeiten. Ähnlich der Grundkonstruktion des Shelter nutzten die angehenden Innenarchitekten umweltfreundliche Materialien wie Holz. Aus wenigen Elementen können Bewohner dank Steckverbindungen sowohl ein Bett als auch einen Tisch mit Hockern aufbauen.

„Die Möbel haben die Studierenden wie die Modulelemente des Shelter 20.20 so konstruiert, dass sie auf gängigen Euro-Paletten transportiert werden können. Wir würden uns freuen, wenn Hilfsorganisationen unseren Ansatz für Weiterentwicklungen nutzen“, so Prof. Dr. Michael Körner.

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