Ein unglaublicher – äh – Wortakrobat

Pfaffing: Politkabarett mit Wolfgang Krebs - Tränen vom Lachen

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Stoiber in Pfaffing ...

Stoiber in Pfaffing …  Fotos: Renate Drax

Pfaffing – Ein Abend voller Wortwitz, Fröhlichkeit und voller Sprachfehler, die sie ja alle irgendwie zu haben scheinen – die Mitglieder der „Dreifaltigkeit der bayerischen Ministerpräsidenten“, bestehend aus Kapitän Seehofer, Ehrenkapitän Stoiber und Schiffsheizer Beckstein. Politkabarettist Wolfgang Krebs entlarvt sie alle. Allen voran unseren Edmund – ähm – Dings… Das Publikum in Pfaffing lachte Tränen über eine wortakrobatische Äh-Leistung, die ihresgleichen sucht…

… und die die jeweilige Thematik – quasi den politischen Inhalt – geradezu in den Schatten stellt. Ein großartiger Buchstabenartist stand da auf der Gemeindebühne und sollte gar nicht mehr gehen. Selten so gelacht bei einer Veranstaltung, das sagten viele an diesem Abend mit Wolfgang Krebs, der auf Einladung der Kunst in der Filzen zu Gast war.

Schiff ahoi: Kapitän Horst Seehofer alias Wolfgang Krebs.

Schiff ahoi: Kapitän Horst Seehofer alias Wolfgang Krebs.

Pointiert arbeitet er – typische Verhaltensweisen der berühmtesten bayerischen Politiker sind Wolfgang Krebs ein gefundenes Fressen. Sehr verehrte Pasadenas, Pasadobles, äh Passagiere. Schiff ahoi für die Mannschaft bayerischer Leichtmatrosen samt Gästen auf der Pfaffinger Attel. Auch optisch mit genialer Ähnlichkeit und breitem Grinsen auf der Bühne: Krebs als Seehofer auf „Wahlfang“. Danke für den Applaus, ich weiß mich wirklich zu schätzen. In Windeseile wechselt er die Rollen und Kostüme und redet und verbuchstabelt und singt und tanzt, dass das Publikum nicht mehr weiß – erst klatschen und dann lachen oder – ähm – beides. Oder wie?

Originell sind auch die Werbespots, die der durchs Radio bekannt gewordene Krebs zwischen den einzelnen Auftritten einstreut – witzige Parodien der Reklameblöcke, die jeder täglich im Rundfunk hören kann. In der Art wie einer „pietätlosen Happy Hour im Krematorium, Einäscherung zu Discount-Preisen, hier liegen Sie richtig“.

Es war eine äußerst muntere Schiffsreise auf der Attel im Pfaffinger Gemeindesaal – mit einer illustren Gesellschaft an Bord. Neben der Polit-Prominenz  war da der sichtlich angetrunkene und einer deutlichen Artikulation nicht mehr mächtige Ortsvorsitzende Schorsch Scheberl, der über eine Franz-Josef Strauß gewidmete Reliquie, nämlich einem Waschbetonkübel, lamentierte. Der abgehalferte Schlagerstar Meggy Montana, der „an den Bühnen der Welt aus- und vor allem einging“, bestach durch unnachahmliche Tanzeinlagen und sein zu Herzen gehendes Soloprogramm „Tausend Takte Tinnitus“. Ein Abräumer beim Seniorentanztee – aber auch in Pfaffing – war zweifellos der Gassenhauer „Wenn die Suzuki weint in Montepulciano“.

Frauenbeauftragte Waldemarie Wammerl und drei Männer in einem Dings auf der Attel.

Frauenbeauftragte Waldemarie Wammerl und drei Männer in einem Dings auf der Attel.

Köstlich auch die schrullige und ins fesche Dirndl gewandete „Frauenbeauftragte der CSU, Waldemarie Wammerl“, die etwas aus ihrem Bestseller „Wenn dich der Schuh drückt, dann geh barfuß“ zum Besten gab. Und die nach eigenen Worten „von der falschen Seite auf die 60 zugeht“. Zu Wort kam auch Christian Ude, „seit dem Aushärten der Erdkruste Oberbürgermeister von München“. Als Puppe sprang er plötzlich durch ein Bullauge des CSU-Wahlfangschiffs und rief: „Ozapft is!“ Eben genau die Worte, die er am besten beherrsche. Schließlich könne er ein Bierfass inzwischen mit weniger als null Schlägen anzapfen.

Und dann war da natürlich Kapitän Horst Seehofer, der über „das Für und Wider eines Krippenplatzes am Beispiel von Jesus Christus“ nachdachte. Oder über die Grünen, die höchstens mal „in Ruderbooten aus dem Holz von gewaltlos gefällten Bäumen“ ruderten. Und deren Vorsitzende Claudia Roth attestierte Seehofer „ein Mundwerk, dass auch der lebendigste Fluss neidisch wird auf das Tote Meer“. Klar, dass sein Wahlspruch lautete: „Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dieses ewige Hin und Her!“ Auch Krebs als Beckstein fehlte nicht. Als „der lustige Franke mit der kurzen Karriere“, der im persönlichen Gespräch mit sich selber immer du zu sich sagt. Mit ihm bekam man als Schiffsheizer sowieso eher Mitleid, weil er doch sehr unter dem Pantoffel seiner Frau Marga zu stehen schien.

Absoluter Höhepunkt des Pfaffinger Abends aber war die Begegnung mit Ehrenkapitän Stoiber, der auch etwas in diesem „Schuhgeschäft, ähm, Fachgeschäft – ach nein, Schaugeschäft“ zu sagen haben wollte. Er erzählte von seiner Vorliebe für „Schnickrika-Patzel, äh, Paprikaschnitzel“, amüsierte mit den Schilderungen seiner Erlebnisse im „Waisenhaus“ in Washington und riss das Publikum mit der Geschichte vom Skelett, das zum Bach kam – nein, es war kein Skelett, es hatte ja noch Fell und Fleisch und Hörner, also, es war eine Kuh – zu Lachsalven hin. Krebs alias Stoiber redete „ohne Mund vor dem Blatt und ohne Umschwafel“, brabbelte noch etwas wie „Franzhafen und Flugstrauß“, zu dem man mit der „Bimmelbumms“ hinkommt, von „besteuerbarer Blasphemie, äh nein, erneuerbarer Energie“ und empfahl dem Tränen lachenden Pfaffinger Publikum, die hingeworfenen Wortbrocken „einfach selber zu sortieren“. Vui Spaß!

 

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