Ein Fest: 500 Jahre Pfarrkirche Griesstätt!

Von Sagen, Brand-Katastrophen und Neuanfängen - Unser Freitagsgschichterl

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Griesst KircheGriesstätt – 500 Jahre Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Griesstätt! Höhepunkt der Festlichkeiten wird der Gottesdienst am Sonntag, 22. Juni, sein, den Weihbischof Wolfgang Bischof als Hauptzelebrant in der Pfarrkirche feiern wird. Unser Freitagsgschichterl ist heute dem Gotteshaus gewidmet … Die Gegend am Innufer ist nicht nur uraltes Kulturland, sondern auch uralter christlicher Boden. Die Region wurde wahrscheinlich von irisch-schottischen Mönchen missioniert. Vom hohen Alter zeugt das Patrozinium der Griesstätter Pfarrkirche: Johannes der Täufer. Für Griesstätt selbst trifft außer dem uralten Schutzheiligen, dem Täufer, noch die uralte Sage von den Vögeln und den blutigen Holzspänen zu. Am Galgenberg, sagt der Volksmund, hätte die älteste Kirche in Griesstätt erbaut werden sollen. Aber Krähen sollen blutige Holzspäne an die Stelle getragen haben, wo jetzt die Griesstätter Kirche steht.

Im Umkreis von Griesstätt kursieren ähnliche Sagen (z.B. in Babensham). Heimatforscher, wie Dr. jur. Alois Mitterwieser, vermuteten, dass hinter dem Kern der Sage etwas anderes steckt: Missionare hätten den heidnischen Opferplatz, von dem das Volk nicht lassen wollte, in eine christliche Kultstätte umgewandelt.

Kirche GriesGeschichtlich kommt Griesstätt das erste Mal in der sogenannten Rihni – Urkunde vor: Im Jahr 924 in einer Übergabeurkunde zwischen einer Edelfrau Rihni und dem Erzbischof von Salzburg. Ein Kirchlein oder eine Taufkapelle stand mit großer Sicherheit schon vor dieser Urkunde an dem Platz in Griesstätt. Der Ort wurde im 12. Jahrhundert mit der Pfarrei Eiselfing an das Kloster Attel angegliedert und in der Filiale wurde auch eine dauerhafte Pfarrvikarstelle eingerichtet.

Um 1250 wurde neben der alten Kirche (Kapelle) eine neue gebaut. Das älteste Kirchengebäude diente noch bis 1580 als „Armenseelenkirche“. Ab 1502 begann ein gotischer Neubau, der um 1514 fertiggestellt wurde. Belegbar ist diese Annahme mit Ziegelrechnungen aus dem Kloster Altenhohenau, das in dieser Zeit eine Ziegelbrennerei betrieb. Die Ziegellieferungen waren im Jahr 1514 mit 23.000 Stück abgeschlossen.

Wenn der Neubau auch teilweise auf den Grundrissen der romanischen Kirche entstand, ist der gotische Bau mit dem stolzen Turm als Neubau anzusehen und Ausgangspunkt des 500-jährigen Jubiläums. 1721 und 1775 folgte eine Umgestaltung des Innenraumes. Von dieser Epoche zeugen noch heute das Missionskreuz und die „Schmerzhafte Mutter“ aus der Werkstatt Ignaz Günthers. Auch die Darstellung vom Tod des Johannes des Täufers am Deckengewölbe stammt aus dieser Zeit. Nach der Säkularisierung wurde die Filiale zur Pfarrei erhoben

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Unser Foto: Ausschnitt aus einer Votivtafel Dorfbrand Griesstätt 1844, Besitzer unbekannt

Sehr einschneidend für den Ort Griesstätt waren auch die Turmbrände 1644, 1744, 1775, 1800 und 1844. Die ersten vier Brände wurden wahrscheinlich durch Blitzeinschläge ausgelöst. Der hohe, stolze Turm, damals mit Schindeleindeckung und ohne Blitzableiter, stellte für sich schon ein hohes Risiko für Blitzeinschläge dar. Aus dem Jahr 1844 ist überliefert, eine „ruchlose Hand“ habe in der Nacht vom 15. auf den 16. Juni das Vorderkirchmair-Anwesen in Brand gesteckt. Das Feuer griff auf die Nachbaranwesen über. Insgesamt 17 Firste der Wohnhäuser, Stallungen und Stadel standen in Flammen. Das Unglück wurde noch schlimmer, als der Kirchturm Feuer fing und bald darauf einstürzte. Die erst im November zuvor auf den Turm gebrachten Glocken schmolzen. Sogar auf dem Langhaus brach das Feuer aus, konnte aber zum Glück gelöscht werden.

Die wieder neu gegossenen Glocken wurden auf der Südseite neben dem Friedhofaufgang provisorisch auf einem Gerüst angebracht. Nach der Turmreparatur kamen sie 1848 wieder an ihren vorgesehenen Platz auf dem Turm. Die Brände von 1800 und 1844 nicht spurlos am Inneren des Langhauses vorübergegangen sind. So stand eine grundlegende Innenrenovierung der Kirche an. Sie erfolgte 20 Jahre später. Die Orgelempore und die Empore an der Westseite wurden umfassen d neugestaltet und das Kirchenschiff wurde gegen Osten um 15 Fuß erweitert. Gewölbe und Grundmauern des Hauptschiffes blieben. Die Innenausstattung wurde dem gotischen Grundbau von 1514 ange passt und bekam eine neugotische Gestalt nach einem Entwurf von Architekt Johann Marggraff und Figuren von Christian Hirt aus München.

Gries 10Bis auf die abgebaute Kanzel und die Anordnung der Bänke ist die Innenausstattung aus dem Jahre 1870 bis heute weitgehend erhalten. Siehe auch das nebenstehende Bild mit der Innenausstattung um 1930. Die letzte Umgestaltung erfolgte in den 1960er und 1990er Jahr en. Heute steht wieder eine umfassende Innenrenovierung an. Voller Hochachtung stehen wir vor einem Kirchenbau, der das Auf und Ab der Geschichte überdauerte, wo sich die Menschen in Freud und Leid versammelt haben und wo sie immer wieder Kraft und Hoffnung schöpfen durften.

So dürfen wir mit Dankbarkeit und auch Stolz unser 500-jähriges Jubiläum begehen. Eine eigene, ausführlichere Beschreibung wird noch zum Fest herausgebracht.

Diakon S. Frank

Das Fest-Programm am Sonntag, 22. Juni:

Weithin sichtbar ist das Wahrzeichen von Griesstätt, der 62 Meter hohe Turm der Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist. Wie oben beschrieben, gemäß den Aufzeichnungen des im Jahre 1876 in Griesstätt geborenen und späteren Staatsarchivdirektors Dr. Alois Mitterwieser, wurde die Kirche in den Jahren 1502 bis 1514 errichtet.

Zum Festgottesdienst am 22. Juni sind alle Geistlichen eingeladen, die in der Pfarrei Griesstätt in den letzten Jahren wirkten. Die Aufstellung zum Kirchenzug, der von der Griesstätter Musikkapelle angeführt wird, erfolgt nach dem Empfang des Weihbischofs um 9 Uhr vor dem Rathaus. Um 9.30 Uhr beginnt der feierliche Gottesdienst, den der Projektchor und die Musikkapelle gesanglich und musikalisch gestalten werden.

Anschließend sind alle zum Festzug von der Kirchmaierstraße bis zur Sparkasse und zurück zum Ecker-Garten eingeladen. Dort wird der Trachtenverein für das leibliche Wohl der Gäste mit Speis und Trank sorgen.

Am Nachmittag ist eine Kirchenführung mit Orgelmusik sowie Spiele für die Kinder im Ecker-Garten geplant.

Geplant ist auch ein Vortrag zur Geschichte unserer Pfarrkirche und unserer Pfarrei. Der Termin hierzu ist noch nicht bekannt. Zudem findet am 25. Oktober ein Pfarrfamilienabend zum Kirchenjubiläum statt. Der Pfarrgemeinderat wünscht sich zu allen Veranstaltungen einen guten Besuch und dankt bereits jetzt allen, die mithelfen und zum Gelingen beitragen.

Alfons Albersinger, Kirchenpfleger

Quelle: Pfarrei

Die Pfarrei Griesstätt sucht Spender für Tannenzweige, Bux, Efeu, für den Schmuck beim Jubiläumsgottesdienst am 22.Juni. Bitte im Pfarrbüro melden.

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