Edling: Einzug der Schwestern vor 60 Jahren

Zum Kloster-Jubiläum helfen alle Vereine am kommenden Sonntag zusammen

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lechnerEdling feiert am kommenden Sonntag, 19. Juni, das 60-jährige Bestehen seines Klosters! Franziska Lechner aus Edling (Foto) war die Gründerin der römisch-katholischen Kongregation der ‚Töchter der göttlichen Liebe‘. Hier die Geschichte von Franziska Lechner zum Klosterjubiläum und das Festprogramm am Sonntag in Edling … Es war ein Leben für die Armen der Welt. 1869 gelang es Franziska Lechner im Alter von 36 Jahren ein Haus in Wien zu erwerben, in dem eine kleine Gemeinschaft der Schwestern und Mädchen, die hilflos auf der Straße standen, ein Dach über dem Kopf bekamen. Doch erst am 24. Februar 1955 – über 60 Jahre nach ihrem Tod – erhielt der Orden von Kardinal Wendel in München die Erlaubnis, eine Niederlassung in der Heimatpfarrei der Stifterin – in Edling – zu errichten.

Um 10 Uhr beginnt am Sonntag, 19. Juni, der Festgottesdienst in der Edlinger Pfarrkirche. Anschließend ist ein Kirchenzug zum Kloster. Alle Vereine der Gemeinde helfen zusammen – die ganze Festgemeinschaft als Geschenk Hand in Hand: Ab etwa 11.30 Uhr gibt es im Klostergarten (bei schlechtem Wetter Zelte, bei noch schlechterem Wetter Pfarrheim) ein gemeinsames Mittagessen. Es besteht die Möglichkeit, das Kloster und den Kindergarten zu besichtigen.

1833 in Edling im heutigen Haus der VR-Bank – als fünftes von zehn Kindern – geboren, begann Franziska Lechner im Institut der Armen Schulschwestern in München im Alter von 16 Jahren das Noviziat – gegen den Willen der Eltern – und legte 1854 die zeitliche Profess als Laienschwester ab. Im November 1961 verließ sie die Kongregation wieder und unterrichtete bis 1865 am Münchner Taubstummen-Institut als Lehrerin und Erzieherin.

Im Herbst 1865 zog es Franziska Lechner in die Schweiz, wo sie in Ilanz gemeinsam mit dem Priester Dr. Johann Fidel Depouz die „Wohltätige Gesellschaft von der göttlichen Liebe“ gründete. Diese Gründung gedieh, doch im Spätherbst 1867 verließ Sr. Franziska diesen Wirkungskreis. Eine Erziehungsanstalt, die sie 1867 in Ebersberg gründete, umfasste eine Volksschule und ein Heim für Kinder armer Landarbeiter. Aber schon bald überließ sie auch dieses Werk einer treuen Mitarbeiterin.

1868 kam sie nach Wien, wo sie noch im selben Jahr die „Gesellschaft der Töchter der göttlichen Liebe“ (FDC – Filiae Divinae Caritatis) ins Leben rief, die sich besonders in der Bildungsarbeit und in der Gründung von Kindergärten und Schulen überall in der Donaumonarchie engagierten.

Im Oktober 1868, nur 35 Jahre alt, erkrankte Schwester Lechner schwer. Sie sah sich dem Tode nahe, doch dann geschah das Unerwartete: Sie wurde wieder völlig gesund.

1868 – Menschenscharen strömen nach Wien. Nicht nur, weil die Kaiserstadt so schön ist, sondern weil man hofft, hier Arbeit zu finden, ein Einkommen, mit dem man das Angebot an Waren, das die Fabriken neuerdings auf den Markt werfen, auch finanzieren kann. Vorläufig aber steht man vielleicht auf dem Bahnhof. Damals wie heute waren unerfahrene junge Leute gefährdet. Damals kamen sie in großer Zahl, völlig mittellos, und der Arbeitsmarkt konnte sie nicht aufnehmen.
Aus Bayern kommt Franziska Lechner nach Wien. Sie ist eine ausgebildete Arbeitslehrerin und hat ihre ersten Erfahrungen in Sozialarbeit in München und in der Schweiz gesammelt. Sie hat ein großes Herz für die Menschen, sie ist tüchtig und resolut. Sie weiß sich von Gott berufen, den jungen Mädchen zu helfen, die sonst keine Hilfe haben.
Einige junge Frauen haben sich ihr angeschlossen. Finanzielle Mittel haben sie nicht. Eine staatliche Fürsorge gibt es nicht.
Was also tun?
Ein Haus muss her, ein Dach über dem Kopf, für die armen Mädchen und für die Schwestern. Es findet sich schließlich in der Fasangasse 4, im dritten Wiener Gemeindebezirk. Hier wird Arbeit gelehrt, mit der man Geld verdienen kann. Der Unterricht in Religion, Rechtschreibung, Rechnen, gutem Benehmen gibt Selbstbewusstsein und Horizont. Eine berufsbegleitende Betreuung gibt den Mädchen einen Ort, wo sie ihre spärliche Freizeit verbringen und über ihre Probleme reden können.
Die Gassenkinder, die Kinder der berufstätigen Mütter im Fasanviertel, brauchen Unterricht und Tagesbetreuung. Waisenkinder brauchen ein Zuhause. Alt gewordene Hausangestellte, man nennt sie „dienstuntaugliche Mägde“, stehen unversorgt auf der Straße. Es gibt viel Arbeit für Mutter Franziska und ihre Töchter. Bürgerfrauen, in deren Haushalt unsere Mädchen arbeiten, suchen eine Schule, in der ihre Töchter das lernen, was ihre Dienstmädchen können.

16 Jahre später nach der Gründung – 1884 – wurde die Gemeinschaft von Rom offiziell als Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe anerkannt.

Am 24. September 1888 erwarb Mutter Franziska ein Haus in der Jacquingasse 14 im 3. Wiener Gemeindebezirk und baute hier eine Kirche, deren Patronin die „Wunderbare Mutter“ ist, und die am 22. April 1891 geweiht wurde. Diese Kirche betrachtete Franziska Lechner als Krönung ihres Lebenswerks.

Mutter Lechner starb am 14. April 1894 im Alter von 61 Jahren in Breitenfurt bei Wien.

Die Gesellschaft breitete sich rasch aus – beim Tod der Gründerin 1894 gehörten ihr schon 600 Schwestern in 30 Niederlassungen an. Heute gehören etwa 1.300 Schwestern in 12 Provinzen in Europa, Nord- und Südamerika und einer Missionsstation in Afrika (Uganda). Das Generalat hat seinen Sitz in Grottaferrata bei Rom. Die deutschen Niederlassungen in Greifswald, Essen und Edling, eben dem Geburtsort der Gründerin, gehören zur österreichischen Provinz von der dreimal wunderbaren Mutter mit dem Provinzhaus in Wien III.

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„Alles für Gott, für die Armen und für unsere Kongregation!“, so heißt das Motto, das Gründerin Franziska Lechner dem Orden ans Herz gelegt hat – in aller Welt.

Vor 60 Jahren

Der damalige Edlinger Pfarrer und Kämmerer Anton Attenhauser brachte dem Vorhaben, eine eigene Niederlassung errichten zu lassen – im Geburtsort Edling von Franziska Lechner – großes
Interesse entgegen. Mit seiner Hilfe gelang es dem Orden, in Edling ein Haus zu erwerben. Der Wunsch der Kongregation, das Geburtshaus der Gründerin zu kaufen (jetzige Raiffeisenank), ging damals leider nicht in Erfüllung, „da es als ganz ungeeignet angesehen wurde und zudem nicht zu erwerben war. Gott fügte es, dass gerade zu dieser Zeit die allgemein bekannte Keiler-Villa – schön in einem großen Garten gelegen, zum Kauf ausgeschrieben war.

Das Haus in Edling mit dem Garten wurde gekauft und wartete auf seine neuen Bewohnerinnen. Es kamen außer den Schwestern aus der Österreichischen Provinz auch zwei Schwestern aus Brasilien, deren Reise die Nordbrasilianische Provinz eigens bezahlte. Die anderen Provinzen und einzelnen Filialen stifteten für die Inneneinrichtung des Hauses und der Kapelle. Hier spürte man so recht das Band der Liebe, das alle im Orden zusammenhält, so heißt es in der Chronik.

Und nun vor genau – fast auf den Tag – 60 Jahren, am 16. Juli 1956, war der Tag des feierlichen Einzugs der Schwestern in Edling …

Dort entstand dann der Kloster-Kindergarten St. Franziska – benannt nach der Ordensgründerin. Seit ein paar Jahren ist auch die Edlinger Schule nach ihr benannt.

 

Seligsprechung

Im November 2005 eröffnete Kardinal Christoph Schönborn das Seligsprechungsverfahren für Schwester Franziska Lechner.

Bis zur endgültigen Seligsprechung können jedoch aufgrund des komplizierten und langwierigen Verfahrens Jahre vergehen. Zunächst müssen Beweise gesammelt werden, die eine Seligsprechung rechtfertigen. Darüber hinaus muss das Leben und Wirken des Kandidaten genau dokumentiert und bewertet werden.

Außerdem muss die Verehrung nachgewiesen werden. Unabdingbare Voraussetzung für die Seligsprechung ist die Beschreibung eines Wunders, das der Kandidat nach seinem Tod vollbracht haben muss. Die Belege werden von einer Kommission geprüft und nur nach positivem Abschluss des Verfahrens werden die Unterlagen nach Rom weitergeleitet. Dort werden alle Dokumente nochmals von einer päpstlichen Kommission geprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt.

Quelle orden at

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Ein Gedanke zu „Edling: Einzug der Schwestern vor 60 Jahren

  1. Marie Bauernschmid

    Wunderbar – das wird ein schönes Fest!

    2

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