Die Kinder stark machen …

DJK SV Oberndorf: Interview zur Prävention sexualisierter Gewalt

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eder-maerzIm DJK-Sportverein Oberndorf hat die Jugend einen besonders großen Stellenwert. Das ist auch in dem vor Jahren entwickelten Leitbild des Vereins so formuliert. Deshalb hat man sich schon vor drei Jahren mit der Thematik „Prävention sexualisierter Gewalt“ beschäftigt und ganz aktuell ein Konzept dazu im Verein eingeführt. Jugendleiter Martin Eder-März, der Leiter der entsprechenden Arbeitsgruppe, im Interview mit der Wasserburger Stimme …

Wie kam denn der Verein zu dieser Thematik?

Eder-März: Nach dem großen Presseecho vor einigen Jahren haben wir eine Fortbildung für unsere Übungsleiter, Trainer und Betreuer organisiert. Dabei hat eine Kriminalhauptkommissarin als Beauftragte für Frauen und Kinder der Polizei ein sehr beeindruckendes Referat gehalten. Im Anschluss daran haben alle Übungsleiter die Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnet.

Was beinhaltet diese Erklärung und was wird dadurch erreicht?

Die Selbstverpflichtungserklärung ist zunächst eine grundsätzliche Aussage, die Rechte von Kindern ernst zu nehmen und ihre Würde zu achten, insbesondere ihre Intimsphäre und die persönlichen Schamgrenzen. Viel wichtiger dabei aber ist, dass der Verein sich aktiv mit der Thematik beschäftigt und den Eltern damit signalisiert, „in diesem Verein sind unsere Kinder gut aufgehoben“. Beginnend beim Leitbild, über diverse Aktionen zu Kinder-stark-machen und der Broschüre „Starke Kinder“, die an alle Eltern verteilt wurde, wurde eine erste Sensibilisierung erreicht.

Das ist ja schon etwas, aber bleibt das nicht etwas im allgemeinen?

Richtig, deshalb haben wir in einer Gruppe mit der Jugendleitung und Übungsleitern auf Basis eines Konzept des DJK-Sportverbands ein eigenes Modell für unseren Verein entwickelt und eingeführt.

Was nun beinhaltet dieses vereinseigene Modell?

Unser Modell beschreibt analog zur persönlichen Selbstverpflichtung die grundsätzliche Haltung des Vereins, konkrete Regelungen für die Trainingspraxis und Orientierungen für den Verdachtsfall, und wir haben für den Verdachtsfall mit Sabine Binsteiner-Maier, Evi Maier, Christine Langenfeld und Martin Eder-März kompetente Ansprechpartner eingesetzt.

Konkrete Regelungen für die Trainingspraxis, was genau ist da beschrieben?

Im Sport ist eine gewisse Körperlichkeit, körperliche Nähe und Berührung oft selbstverständlich und auch gewollt. Für Situationen wie Hilfestellung und Verletzungen, Duschen und Umkleiden, gemeinsame Fahrten und Übernachtungen, oder bei kleineren Kindern auch der Toilettengang haben wir überlegt und festgelegt, wie wir damit umgehen wollen.

Klingt nach viel Arbeit, sind die Ergebnisse übertragbar oder auch für andere Vereine nutzbar?

Ja wir haben im Team sehr gründlich nachgedacht und in mehreren Sitzungen um die für uns geeignete Regelung und Formulierung gerungen. Daran können sich andere Vereine sicher orientieren, müssen aber die jeweiligen räumlichen, organisatorischen und personellen Gegebenheiten und Voraussetzungen vor Ort berücksichtigen und letztlich ihre eigene Version entwickeln, da gibt es keine Patentlösung für alle.

Und wie kommt das an die vielen Übungsleiter und Betreuer des Vereins, die mit Kindern umgehen?

Auch da haben wir festgestellt, dass es kein einheitliches Vorgehen für alle gibt. Die Versammlungen der einzelnen Abteilungen, Trainertreffen und Übungsleiterabende sind eine Plattform, die wir nutzen, unser Vereinsmagazin und die Homepage eine weitere. Je nach Alter, Entwicklungsstand und Aufnahmefähigkeit der Kinder wird in den Trainingsgruppen ganz individuell die Thematik angesprochen und die konkreten Regelungen und deren Sinn und Zweck erläutert. Auch die Eltern werden dabei mit einbezogen. Dadurch, dass Trainer, Kinder und Eltern darüber Bescheid wissen, wie wir miteinander umgehen wollen, herrscht Klarheit, das schafft Sicherheit und stellt einen gewissen Schutz aller Beteiligten dar, deshalb haben wir auch die Bezeichnung Schutzvereinbarung gewählt.

Das umfasst jetzt die Prävention, was aber ist, falls doch mal was passiert?

Zunächst ist die Prävention sicher das wichtigste, damit nichts passiert, sozusagen. Aber auch für den Verdachtsfall haben wir einige wenige praktikable Orientierungen aufgeführt, wie: die Aussagen ernst nehmen, Ruhe bewahren, in keinem Fall den vermeintlichen Täter kontaktieren, sondern sich an einen der Ansprechpartner im Verein wenden.

Derzeit ist viel von den erweiterten Führungszeugnisse die Rede, wie soll das beim Ihrem Verein aussehen?

Der Gesetzgeber hat die staatlichen Jugendämter dazu verpflichtet, mit allen sogenannten freien Trägern der Jugendhilfe, also auch Vereine, Vereinbarungen zu treffen, dass keine einschlägig vorbestraften Personen in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden, und das wiederum wird durch die Vorlage von erweiterten Führungszeugnissen sichergestellt.

Befürchten Sie nicht Vorbehalte seitens der Übungsleiter, dem Verein ganz persönliche Informationen zu geben, die niemanden etwas angehen?

Da muss niemand Bedenken haben, denn im Landkreis Mühldorf wird die Einsichtnahme in die Führungszeugnisse durch die Gemeinden vorgenommen und die Vereine erhalten und dokumentieren nur die Unbedenklichkeitsbescheinigungen – und in der Regel werden die Zeugnisse für Ehrenamtliche auch gebührenfrei ausgestellt. Sobald das Kreisjugendamt also auf unseren Vereinen zukommt, werden alle Mitarbeiter im DJK-Sportverein Oberndorf, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, erweiterte Führungszeugnisse vorlegen. Darüber hinaus und eigentlich entscheidend aber sind bei dieser Thematik die Sensibilisierung, die Beschäftigung und die Signalwirkung nach außen. 

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