Des werd a Spektakel: 150 Böllerer in Forsting

Am Samstag geht's ab: Zum Zehnjährigen a scheens Fest

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Forsting – So richtig ab geht’s am morgigen Samstag, 24. August, in Forsting auf dem Brauerei-Gelände: Die Böllerschützen feiern ihr Zehnjähriges – und 150 Schützen einschließlich ihrer Böller haben sich angesagt. So wird gegen 18.30 Uhr in Begleitung der „Kloa Blosmusi“ vom Brauerei-Stadl zum Schießplatz südlich von Forsting marschiert. Und dort lassen’s dann die Böllerer so richtig krachen … Traditionell werden sogenannte Reihenfeuer, Schnellfeuer und Salven aus Schaft- und Handböllern abgefeuert. Ein mit Sicherheit für alle sehr eindrucksvolles – und gut hörbares – Erlebnis!

Sie waren vor zehn Jahren die beiden Initiatoren: Herbert Blinninger (links) und Sepp Voitl. Foros: Renate Drax

Sie waren vor zehn Jahren die beiden Initiatoren: Herbert Blinninger (links) und Sepp Voitl. Foros: Renate Drax

Nach dem Böllerschießen geht’s wieder gemeinsam zurück, wo im Stadl der Brauerei die Wirtsfamilie Luger bereits mit dem gemeinsamen Abendessen wartet. Die gesamte Bevölkerung ist zu der Zehn-Jahres-Feier herzlich eingeladen. Eine nette Geste der Forstinger Böllerschützen, die aus den Steinbuch-Schützen heraus auf Initiative und Engagement von Herbert Blinninger und Sepp Voitl im Jahr 2003 gegründet wurden: Für alle Anwohner verteilte der Veranstalter eigens mit der offiziellen Einladung zur veranstaltung auch Ohrstöppsel …

Böllerschützen kündigen seit Jahrhunderten erfreuliche Ereignisse oder besondere Festtage an. Sie ehren mit ihrem Salut kirchliches und weltliches Geschehen. Sie setzen Zeichen der Festfreude oder wenn Menschen an Neuanfängen oder Endpunkten in ihrem Leben stehen – so bei Taufen, Geburtstagen, Hochzeiten oder auch Beerdigungen. Aber auch an Weihnachten wird geböllert. Hier schießen die Forstinger zum Beispiel seit zehn Jahren gemeinsam mit den Pfaffinger Böllerern das Christkindl „an“ auf dem Obermoar-Berg.

Foto 2 Böllerschützen vor zehn Jahren

Vor genau zehn Jahren der erste große Auftritt in Pfaffing.

Die Forstinger Böllerschützen mit Schussmeister Sepp Voitl an der Spitze sind der Tradition als Brauchtumsträger sehr verbunden und sehen dies seit einem Jahrzehnt nun schon als Teil ihrer Freizeit, ihres Lebens an. Geschossen wird mit Schaft-Böllern, was die Teilnahme vom vermeintlich schwachen, weiblichen Geschlecht etwas Schwieriger macht. Schaftböller sind sehr schwer und werden aus der Hüfte haltend geschossen. Im Gegensatz dazu die Handböller von anderen Gruppen, die über Kopf geschossen werden. Der erste große Auftritt vor zehn Jahren war der Einzug der benachbarten Pfaffinger Schützen ins neue Heim beim Pfaffinger Hof… Bei den Forstinger Böllerschützen mit dabei sind: Herbert Blinninger, Sepp Voitl, Franz Blinninger (Steinbuch-Schützenmeister), Sepp Blinninger, Andi Huber, Richard Wagner, Thomas Haidinger, Max Fuchs, Bernhard Asböck, Andi Voitl, Sepp Andres und Martin Deuschl.

Wissenswertes zum Böllerschießen in Bayern

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Böllern selbst hat eine traditionsreiche und teilweise auch durch alte Chroniken belegte Geschichte, die bis in das ausgehende 15. Jahrhundert zurück reicht. Es ist nachweisbar, dass seit Jahrhunderten im gesamten deutschsprachigen Raum, von Mecklenburg bis Tirol, von Bayern bis Westfalen und bis tief in böhmische Gebiete schon geböllert wurde. Den spärlichen Informationen nach hat sich das Böllern aus mehreren Bereichen entwickelt. So sollte es zum einen der Abwehr von bösen Geistern und Dämonen dienen, und gleichzeitig helfen, das Wetter zu ändern und die Natur zu erwecken. Auch sollte es die Lebensfreude zum Ausdruck bringen, wenn Taufen, Geburtstage oder Hochzeiten anstanden.

Höchster Achtungserweis

Es galt mit als höchster Achtungserweis, wenn Herrscher und Könige zu Besuch kamen und mit Böllerschüssen empfangen wurden. Auch um rasche und zuverlässige Warnungen zu verbreiten wurde geböllert. So war es noch Anfang des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Teilen der Alpenländer üblich, bei Feuer, Kriegs- oder sonstiger Gefahr von den abgelegenen Gehöften der Bergbauern aus durch Böllern auf sich aufmerksam zu machen.

Eigene Böllerschützen-Ordnung

Seit vier Jahren hat der Bayerische Sportschützenbund seine eigene Böllerschützen-Ordnung. In dieser finden sich die Sicherheitsregeln und die Anlässe bei denen geböllert werden darf. Informationen zum traditionellen Auftreten und zu einheitlichen Schießkommandos sowie organisatorische Hilfen – eben alles was der Böllerschütze wissen und beachten sollte. Als Böllergeräte kommen in der heutigen Zeit überwiegend Standböller, Böllerkanonen sowie Hand- und Schaftböller, die in der Regel von namhaften Böllerherstellern gefertigt werden, zum Einsatz. Damit das Böllerschiessen nicht zu einer Gefahr für Mensch und Umwelt wird, muss jeder Böllerschütze die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten besitzen, um Böllerpulver vorschriftsmäßig erwerben, verbringen, aufbewahren, verwenden und vernichten zu können. Diese Kenntnisse muss er in einer Prüfung vor dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt nachweisen. In Bayern gibt es momentan 717 Böllergruppen mit etwa 5.500 Böllerschützinnen und Böllerschützen, die diese Tradition betreiben.

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