Das eigene Auto richtig kennenlernen

Speziell für Frauen: Autohaus „Dengler und Crüwell“ vermittelt Wissen rund ums Auto

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Rott – Es ist eines der klassischen Vorurteile seit der Erfindung des Automobils: Technik und Frauen, Frauen und Autos – das kann nicht gut gehen. „Kann es sehr wohl“, wettet Alex Fürbeck, Pannenhelferin aus Rott am Inn dagegen. Und wie könnte man das besser beweisen, als mit einem Technik-Kurs speziell für das so genannte schwache Geschlecht. „Wobei schwach in diesem Zusammenhang nicht wirklich richtig ist“, lacht Alex. „In die meisten Fehlerfallen bei Pannen am Auto tappen nämlich die Männer“, weiß die erfahrene ADAC-Pannenhelferin.

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„Beim Fremdstarten immer zuerst das rote Plus-Kabel anschließen.“ Alex Fürbeck demonstriert, wie die Starterkabel richtig angebracht werden.

Während Frauen lieber jemanden fragen, sobald sie nicht mehr weiterwissen, würden Männer oftmals ihren Stolz nicht hinunterschlucken können. „So mancher Mann macht sich das Unpassendes einfach passend. Da passiert es schon mal, dass der Zapfhahn für Supertreibstoff an der Tankstelle mit Gewalt in den Diesel-Tank gesteckt wird“, grinst Alex Fürbeck.

Im Showroom des Autohauses „Dengler und Crüwell“ gibt die Pannenhelferin derzeit ihr langjähriges Wissen weiter – praxisbezogen und idealerweise direkt am eigenen Fahrzeug. „Denn“, da ist Alex sich sicher, „wer selbst Hand anlegt, lernt deutlich intensiver.“ Gleichzeitig mit einem Glasl Hugo bekommen die Teilnehmerinnen – eine sympathische, übersichtliche Gruppe von sieben Damen – zwei Starterkabel in die Hand gedrückt. Ein Plus-Kabel (rot) und ein Minus-Kabel (schwarz).

Lektion 1: Wie gebe ich richtig Starthilfe, ohne dass auch meine Batterie leer wird?  

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Interessiert und neugierig beobachten die Teilnehmerinnen die praktische Darstellung der Pannenhelferin.

Das typische Klackern beim Drehen des Zündschlüssels hat fast jeder Autofahrer schon einmal mit Unbehagen zur Kenntnis genommen. Der Wagen will nicht anspringen, die Batterie ist leer. Was nun? „Zuerst brauchen wir natürlich ein zweites Auto und ein schwarzes sowie ein rotes Starterkabel“, erklärt Alex. „Diese sollten sich im besten Fall bereits im Fahrzeug befinden.“ Wichtig sei beim Verkabeln, immer die gleichen Pole am Metall festzustecken, nicht Plus mit Minus zu verpolen. „Einen Stromschlag muss dennoch niemand fürchten. Die Autoelektrik führt 12 Volt, das ist weniger als ein Weidezaun“, versichert Alex. „Es kann höchstens leicht kitzeln.“

Das rote Starterkabel wird zuerst an der Batterie mit dem Plus-Zeichen angebracht, das schwarze darf, so die Pannenhelferin, an beliebig metallischen Eisenstücken im Motorraum gesteckt werden. Wichtig: Man muss das Spenderauto immer als erstes starten, denn würde man zuerst den Schlüssel im kaputten Wagen umdrehen, ziehe dieser die volle Batterie seines Gegenübers leer. Abgestöpselt werde nach erfolgreichem Fremdstart in gleicher Reihenfolge rückwärts – erst das schwarze Kabel und danach das rote Plus-Kabel. „Bei Ungereimtheiten oder auftretenden Fragen schnappt man sich das Bordbuch im Handschuhfach, das hilft auch weiter“, rät Alex Fürbeck.

Lektion 2: Wie oft muss ich meinen Ölstand prüfen?

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Alex Fürbeck: „Der Ölstand sollte sich mittig der Markierung des Ölstabs befinden.“

Beim nächsten Thema des Kurses darf es schmutzig werden: Es geht um das schwarze Gold des Fahrzeugs. „Die Warnung, dass der Ölstand zu niedrig wird, kommt immer erst, wenn es bereits zu spät ist“, erklärt Alex. Deshalb gilt: Regelmäßig – am besten bei jeder Tankfüllung – auch nach dem Öl sehen. Dabei muss das Fahrzeug auf einer waagerechten Ebene stehen, sonst wird das Ergebnis verfälscht. „Den Ölstab einmal mit einem Tuch abwischen, einschieben, rausziehen und an der Markierung den Stand ablesen. Hier dürfen auch Frauenhände dreckig werden“, schmunzelt Alex. Idealerweise befindet sich das Ergebnis mittig der Markierung. Ist dem nicht so, muss Öl nachgefüllt werden. Ein Tipp der Pannenhelferin: „Beim Nachfüllen das Öl in ein Schnapsglas gießen und peu à peu eingießen – ‚Viel hilft viel‘ ist hier definitiv nicht die Devise!“

Lektion 3: Notsituation auf vier Rädern: Das kleine Pannen-1×1

„Eine Panne auf der Autobahn ist nicht ungefährlich“, mahnt Alex Fürbeck. Der erste Griff, nachdem rechts ran oder auf dem Standstreifen gefahren wurde, ist nach dem Schalter der Warnblinkanlage, damit der nachfolgende Verkehr aufmerksam wird. Danach sollte immer die Warnweste angelegt und der Wagen verlassen werden. „Nur nicht auf der Fahrbahn rumlaufen“, warnt Alex Fürbeck eindringlich, „Das wichtigste bei Autopannen ist die Eigensicherung – lieber auf ein Warndreieck verzichten und hinter der geschützten Leitplanke die 110 oder 112 wählen.“ Nicht wenige Personen würden vom nachfolgenden Verkehr erfasst und schwer verletzt oder sogar getötet, erzählt die seit zwölf Jahren im Dienst tätige Pannenhelferin. „Auf Autobahnen befinden sich alle 500 Meter Markierungen mit Kilometerangaben, die Aufschluss darüber geben, wo man sich gerade befindet. So kann der Pannendienst das liegengebliebene Fahrzeug sofort orten.“ Gleiches Verhalten gilt natürlich auch auf Bundes-, Staats-, und Landstraßen.

Lektion 4: Keine Ignoranz bei Lämpchen und Kontrollleuchten verschiedenster Couleur

Sie leuchten plötzlich orange, gelb oder rot auf. Auf den ersten Blick ist man verunsichert, was sie bedeuten und was zu tun ist: Sofort stehenbleiben, weiterfahren oder doch lieber gleich in die Werkstatt? „Kontrollleuchten im Auto dürfen auf gar keinen Fall ignoriert werden“, erläutert Alex. „Jedoch muss auch nicht aufgrund jedes bunten Lamperls gleich die Werkstatt aufgesucht oder der Pannendienst gerufen werden. Rot kann, muss aber nicht immer gefährlich sein“, klärt die Pannenhelferin auf. So hat ein rotes Ausrufezeichen im Kreis habe zwei Bedeutungen: Es könne einerseits anzeigen, dass die Handbremse noch angezogen ist. „Dann ist Panik deutlich fehl am Platz“, lacht sie. „Leuchtet es allerdings nach gelöster Handbremse immer noch, kann ein Bremsversagen drohen, weil die Bremsflüssigkeit gesunken ist, oder die Beläge bis auf das Metall abgefahren sind. Dann muss sofort der Pannendienst gerufen werden. Leuchtet die rote Ölkanne auf, ist es eigentlich bereits zu spät: Der Motoröldruck ist zu niedrig, es muss sofort Öl nachgefüllt werden. „Wie bereits erwähnt: Eegelmäßig den Ölstand prüfen“, so Alex.

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Das neu Erlernte wird sogleich am eigenen Wagen unter der Anleitung von Alex Fürbeck getestet.

Lektion 5: Kühlwasser, Klimaanlage, Wischwasser & Co.

Beim Nachfüllen gilt: Nur Öl und Scheibenwasser selbst nachfüllen – alle anderen nachfüllen lassen. Das Scheibenwischwasser wird nach entsprechender Markierung gefüllt, Scheibenschutzfrost für bis zu 30 Grad Minus sei laut Alex in unseren Breitengraden vollkommen ausreichend. Jedoch darf der Behälter auf keinen Fall mit dem Kühlwasser verwechselt werden. „Um das Kühlwasser kümmert sich ausschließlich die Werkstatt“, erklärt Alex Fürbeck.

Lektion 6: Wie verhalt ich mich, wenn ein Reifen unterm Fahren platzt?

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„Bloß keine Panik bei kleineren Ungereimtheiten“, sagt Pannenhelferin Alex Fürbeck. „Ruhig bleiben und gegebenenfalls Hilfe holen ist das Mittel der Wahl.“

„Beim Platzen eines Reifens gilt: Lenkrad fest halten, Wagen ausrollen lassen und – auch wenn es schwer fällt –  nicht bremsen“, erklärt Alex. „Werden die Bremspedale betätigt, besteht die Gefahr, dass der Wagen ausbricht.“ Es gibt zudem einen Unterschied, ob der hintere oder einer der vorderen Reifen platzt. „Fällt der hintere Reifen weg, gibt es keine Möglichkeit zum Eingreifen, besonders bei hoher Geschwindigkeit“, so die Pannenhelferin. „Ein Reifen verzeiht nichts, aber ob und wann man ihn einwechseln möchte, ist jedermanns eigene Entscheidung“, sagt Alex. Der Reifendruck wird an der Tankstelle wie beim Radl mit dem Luftdruckventil geprüft. „Eher ein wenig härter aufpumpen“, rät Alex Fürbeck, „Da fährt sich der Reifen schöner ab.“

Ein weiterer Tipp: Bremsen sind dazu da, damit sie benutzt werden. „Die Bremsscheiben funktionieren nicht mehr einwandfrei, wenn der Fahrer es vermeidet, zu bremsen“, so Alex. „Also lieber einmal zu oft das Bremspedal treten.“

Noch ein Ratschlag von Alex Fürbeck für Freunde der Kurzstreckenfahrt: „Das Auto dankt es seinem Besitzer, wenn der von Zeit zu Zeit einmal alle Gänge ausfährt“, erklärt die Pannenhelferin. „Einfach mal auf der 15-er – vorausgesetzt, es fährt niemand hinter Ihnen – runter auf 40 km/h bremsen und dann wieder beschleunigen, damit der Wagen gscheid durchgepustet wird.“

„Da wünscht man sich ja direkt eine Panne, damit man das gerade Erlernte auch anwenden kann“, lacht eine Teilnehmerin leicht am Ende des Kurses. Wen die Neugier gepackt hat und wer sein Auto unter der fachkundigen Anleitung von Alex Fürbeck näher kennenlernen möchte, kann sich bei einem Technik-Kurs im Autohaus Dengler und Crüwell anmelden.

Weitere Kurse: 10. Juli von 18 bis 20 Uhr und im Herbst, genaue Daten noch unbekannt.

Foto oben: Die Teilnehmerinnen des Technik-Kurses im Autohaus „Dengler und Crüwell“ in Rott mit Pannenhelferin Alex Fürbeck (vierte von links).

mb

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