„Da war hoit a Zehner no a Zehner!“

Hammermarkt: D-Mark statt Euro - Aktion mit vielen Gefühlen

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D MarkEdling – Auf die Idee hatte sie eine kleine französische Bäckerei gebracht, die in einem Dorf den alten Franc als Zahlungsmittel noch immer annimmt. Martha Rauer-Tezsla, Chefin des Hammermarkts in Edling, startete auch heuer – so wie bereits äußerst erfolgreich seit einigen Jahren schon – ihre Dezember-Aktion „DM statt Euro“. Jeder, der noch alte D-Mark-Münzen oder -Scheine bei sich zu Hause hat, kann damit ganz regulär in dem Edlinger Schnäppchen-Markt an der Römerstraße 3 einkaufen. Und zwar noch bis zum morgigen 31. Dezember. „Jeder Schein, jede Münze der Deutschen Mark erzählt eine Geschichte.“

Diese Erfahrung macht die engagierte Geschäftsfrau in der Weihnachtszeit seit vielen Jahren. Geradezu tagtäglich. „Man spürt förmlich, welch besondere Beziehung die Menschen zu dieser alten Währung noch heute haben,“ so Martha Rauer-Tezsla, die mit ihrem Mann Janos das alte, gesammelte Geld der Kunden zur Bank in die Landeshauptstadt bringt. Denn normalerweise nimmt dieses alte Geld nur mehr die Bundesbank in München entgegen.

Die Münchner kommen in der Regel aus dem Staunen nicht heraus. In den ersten Jahren blockierten die Edlinger stundenlang die Kasse, da die Zählmaschine die Mengen Geld kaum verkraftete und wegen diverser Sondermünzen (wie die beliebten alten 10-Mark-Stücke) immer wieder ins Stocken geriet.

Und zwei ziemlich verschmutzte Fünf-Mark-Münzen gingen einmal gleich ganz gesondert auf die Reise – nämlich zur Falschgeldstelle der Kripo. Einige Wochen später kam dann die Bestätigung – es handelte sich um Falschgeld mit der prompten Frage: „Wo haben Sie die her?“ Martha Rauer-Te´zsla erklärte die Geschichte ihrer Geschäftsidee und konnte natürlich nicht mehr sagen, wer ausgerechnet mit diesen Münzen bezahlt hatte. Einig waren sich aber alle, dass es wohl jemand war, der selbst unschuldig an das Geld gekommen war. Schließlich seien zehn Mark laut Kripo so ein geringer Betrag, der bei wirklichen Falschgeld-Händlern sicher größer ausgefallen wäre.

Noch heute rechnen viele gedanklich in D-Mark um

Wie schwer sie sich selbst getan hatte, damals bei der Umstellung auf den Euro, daran denkt die Chefin des Hammermarktes noch manchmal zurück: „Für die D-Mark hatte ich ein Gefühl, ich hatte aufgrund meiner Berufstätigkeit die Tagessätze, Stundenlöhne alles in meinem Kopf. Und dann auf einmal der Euro. Ganz abgesehen vom Umrechnen – die alten Münzen waren einfach andere Münzen, die Farben der alten Geldscheine einfach tollere Farben. Noch heute ertappe sie sich dabei, Beträge in D-Mark umzurechnen.

„Schau moi“ hieß und heißt es in diesen Tagen auch immer wieder fasziniert, wenn an der Kasse im Edlinger Markt ein besonders schöner seltener D-Markschein auftaucht. Ganz freiwillig erzählen die meisten, wo genau sie die alten Scheine und Münzen gefunden haben und welche Emotionen sich dahinter befinden.

Für Kinder eine fremde Währung wie in einem fremden Land

Manchmal war es eine gefundene alte Sparbüchse der Tochter, die längst im Ausland wohnt oder die geliebte alte Jacke oder Hose, die zur Altkleidersammlung soll und die in den Taschen das Geld beherbergte. Oder der Opa ist gestorben und in der Wohnung wurden Umschläge für die Enkelkinder mit dem mühsam gesparten Geld gefunden. Die D-Mark weckt viele Erinnerungen, bei vielen aus der Kindheit.

„Da war a Zehner hoit no a Zehner“ heißt es oft an der Kasse in Edling. Auch wenn sich manche richtig schwer davon trennen, froh sind sie sehr über die Aktion des Hammermarktes. Und vor allem die Kinder sind ganz begeistert bei der Sache, wenn’s um das Zahlen mit der alten D-Mark geht. Ist es doch für sie so eine fremde Währung wie in einem fremden Land…      Text/Foto: Renate Drax

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