Chiemsee, der lebendige See des Jahres 2014!

Auszeichnung von Umweltschutz-Organisation Global Nature Fund

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Chiemsee 1Landkreis – Er is bei uns glei ums Eck – wia selbstverständlich – und ma soit ihn moi wieda bsuacha: Den Chiemsee. Er gehört zu unserer Heimat und die ganze Welt findet ihn unglaublich schön. Seit heute ist er der lebendige See des Jahres 2014″. Der Titel wird jedes Jahr anlässlich des Weltwassertags am 22. März von der Umweltschutz-Organisation Global Nature Fund (GNF) aus Radolfzell am Bodensee vergeben. Mit der Wahl sollen die ökologische Bedeutung und …

… die Notwendigkeit einer umfassenden Bildung für Natur und Umwelt in den Mittelpunkt gerückt werden, teilt die GNF am heutigen Dienstag mit.

Der Chiemsee ist mit einer Fläche von fast 80 Quadratkilometern der drittgrößte See Deutschlands. Er entstand wie viele Voralpenseen nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren als Ausschürfung eines Gletschers. Damals bedeckte der heute größte See Bayerns die dreifache Fläche. Die Sedimente der Zuflüsse Tiroler Achen und Prien verkleinerten über die Jahrtausende den See auf seine heutige Größe. Eine Verkleinerung um rund 200 Hektar auf einen Schlag erfuhr der Chiemsee 1904, als der Wasserspiegel zur Landgewinnung um 60 bis 70 Zentimeter gesenkt wurde.

Chiemsee 2Heute ist der Chiemsee eine der größten Tourismusdestinationen in Deutschland. Für den Großraum München dient er zur Nacherholung, und in Süddeutschland ist der See mit dem umgebenden Chiemgau, der durch die Alpennähe landschaftlich besonders reizvoll ist, eines der beliebtesten Urlaubsziele überhaupt. Jährlich sind es rund 2,5 Millionen Übernachtungen, hinzu kommt eine große Anzahl von Tagesgästen aus dem Raum München. Damit die Natur dabei nicht auf der Strecke bleibt, wird ein partnerschaftlicher Dialog zwischen Behörden, Tourismus, Umweltverbänden und anderen Gruppen geführt. Nur ein „sanfter Tourismus“ bewahrt die Schönheit und Besonderheit des Naturraumes und die langfristige Attraktivität als Touristenregion.

Naturschauspiel

Ruhezonen mit entfernten Beobachtungsstationen lassen die Besucher am Naturschauspiel teilhaben, ohne die Tiere aufzuschrecken oder empfindliche Pflanzendecken zu zerstören. Exkursionen der Chiemsee-Naturführer des Vereins der Natur- und Landschaftsführer Inn/Salzach schärfen die Sinne für besonders wertvolle Naturschätze und tragen zur Aufklärung der Besucher über rücksichtsvolles Verhalten in den Naturgebieten auf. Erwähnenswert ist auch ihr Engagement für eine barrierefreie Umweltbildung, die den Chiemsee zu einem Pionier auf diesem Gebiet macht.

Ende der 1970er Jahre drohte der Chiemsee umzukippen, hohe Mengen nährstoffreicher Abwässer flossen in den See. Der Bau eines Ringkanals war die Rettung. Abwässer aller Anliegergemeinden fließen heute in dem 80 Kilometer langen Leitungsnetz zusammen und werden über 30 Pumpwerke in die Kläranlage Stiedering geschleust. 

Naturvielfalt

Der gesamte See steht unter dem Schutz der Ramsar-Konvention. Bis zu 30.000 Wasservögel überwintern hier, rund 3.000 sind Brutvögel oder übersommern. Jungfische und Brutvögel können sich in temporären oder permanenten Ruhezonen ungestört entwickeln. Der Chiemsee und seine Umgebung bieten zahlreichen Arten der Tier- und Pflanzenwelt eine Heimat.

Hier wurden 47 Orchideenarten, 58 Libellenarten, 148 Arten Brutvögel und weitere 150 Vogelarten, die auf dem Vogelzug den See nutzen, sowie 19 Arten Fledermäuse, darunter die seltene Kleine Hufeisennase, nachgewiesen. Auf Streuobstwiesen im Umland brüten rar gewordene Wiesenbrüter wie Bekassine, Kiebitz und Brachvogel. An den Ufern des Sees und den angrenzenden Wiesen gibt es eine große Vielfalt an Heuschrecken, Schmetterlingen, Wanzen und Zikaden. Besonders eindrucksvoll sind Wiesen mit blühenden Sibirischen Schwertlilien, die am Chiemsee die größten Bestände Mitteleuropas erreichen.

Natur erleben

Spannende Naturerlebnisse am Chiemsee ermöglichen seit vielen Jahren die ehrenamtlich tätigen Chiemsee-Naturführer. Ein umfangreiches Jahresprogramm beinhaltet sowohl frühmorgendliche Vogelexkursionen als auch Fledermausführungen am späten Abend. Entlang der Ufer des Chiemsees und auf der Herreninsel, einem Paradies für Fledermäuse, lernen Interessierte die Naturschätze kennen. Die verschiedenen Wasserzonen des Chiemsees erkunden die Teilnehmer der Führungen auf unterschiedliche Weise:

Die Tiefengewässer des Chiemsees vom Motorschiff mit vielfältiger Forschungsausstattung aus, die Seichtwasserzone mit dem Ruderboot, die Fließgewässer wie Prien und Alz vom Ufer aus oder auf einem Floß – Exkursionen, die sich an Erwachsene, aber auch Kinder und Schulklassen richten. Umweltbildung für jedermann – das ist das Ziel. Neben Führungen für Gäste mit eingeschränkter Mobilität, wird aktuell ein neues Angebot für Blinde und Sehbehinderte geschaffen, das in Deutschland einmalig ist.

Fotos GNF

 

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